Phonologische Bewusstheit - spielerische Übungen zu Reimwörtern
Vorläuferfähigkeiten ab Klasse 1

Idee: Akademie für Leseförderung Niedersachsen
Als phonologische Bewusstheit bezeichnet man die Fähigkeit, aus dem Lautfluss der gesprochenen Sprache einzelne lautliche Elemente zu unterscheiden und zu identifizieren. Folglich ist die phonologische Bewusstheit eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Schriftspracherwerb. Sie entwickelt sich schrittweise. Zunächst werden Wörter und Silben erkannt (phonologische Bewusstheit im weiteren Sinn), erst später können einzelne Laute identifiziert werden (phonologische Bewusstheit im engeren Sinn).
Zur Schulung der phonologischen Bewusstheit im weiteren Sinn eignen sich Übungen zu Reimwörtern und zur Silbengliederung. In diesem Praxistipp wird eine Sammlung unterschiedlicher Reimwörter-Übungen vorgestellt.
Vorbereitung
Für die meisten der hier aufgeführten Übungen werden Bildkarten mit Reimwörtern benötigt. Eine Sammlung geeigneter Bildkarten zum kostenlosen Download findet man hier.
Spiele im Stuhlkreis
Keine Schlange ohne Zange
Benötigte Materialien: Reimwörter-Bildkarten
Die Kinder sitzen im Kreis, ein Stuhl bleibt frei. Jedes Kind bekommt eine Bildkarte. Immer zwei Karten ergeben ein Reimpaar. Reihum zeigt jedes Kind seine Bildkarte und nennt den darauf abgebildeten Begriff. Das Kind links neben dem Stuhl beginnt und sagt: „Keine Schlange ohne …“. Das Kind mit der passenden Reimkarte antwortet: „… Zange.“ Und setzt sich auf den freien Platz. Jetzt ist das Kind links vom freien Stuhl an der Reihe.
„Zeritze, zeranja, ich wünsche mir …“ - mit Zaubersprüchen Personen herbeizaubern
Benötigte Materialien: Zauberstab
Alle Kinder sitzen im Kreis, ein Stuhl bleibt frei. Das Spiel wird nach den Regeln von „Mein rechter, rechter Platz ist frei“ gespielt. Das Kind, dessen rechter Platz frei ist, nimmt den Zauberstab, klopft damit auf den freien Platz neben sich und beginnt den Zauberspruch zu sprechen. Dabei ist das Ende des zweiten Wortes an den Vornamen des gewünschten Kindes anzupassen. Also z. B. „Zeritze, zerina, ich wünsche mir die Lina!“ Das betreffende Kind wechselt den Platz und der Zauberstab wird an das Kind weitergegeben, dessen rechter Platz jetzt unbesetzt ist. Das mit dem Spiel verbundene Bilden von Quatschwörtern fällt den Kindern anfangs nicht ganz leicht, hat aber den Vorteil, dass zu jedem Namen in der Klasse ein lustiges Zauberwort gefunden werden kann. Anfangs kann die Lehrkraft die Kinder unterstützen, indem sie den Zauberspruch mitspricht.

Reim-Roulette
Idee: Persen-Verlag
Benötigte Materialien: Reimwörter-Bildkarten, Gymnastikreifen, kleiner Ball oder Flummi
Der Gymnastikreifen wird in den Kreis gelegt. Die Hälfte der Bildkarten wird entlang der Außenkante des Reifens verteilt, sodass alle Karten in etwa den gleichen Abstand voneinander haben. Die Karten der entsprechenden Reimpaare werden gut sichtbar in die Kreismitte gelegt. Ein Kind beginnt und lässt den Ball innen entlang des Reifens kullern, bis er bei einer Bildkarte zum Stehen kommt (z. B. Fisch). Nun wird das passende Bild aus der Mitte gesucht, die Karte mit „Fisch“ nach außen zu der Karte mit „Tisch“ gelegt und der Ball erneut angestoßen. Es wird solange gespielt, bis alle Karten aus der Mitte verschwunden sind.
Bewegungsspiele
Reim-Zwilling
Idee: Persen Verlag
Benötigte Materialien: Reimwörter-Bildkarten in einem Korb, Musik
Nachdem alle Kinder eine Bildkarte aus dem Korb gezogen haben, bewegen sie sich zur Musik durch den Raum. Für jede Runde wird dazu eine andere Bewegung vorgegeben (z. B. tanzen, hüpfen, rückwärtsgehen usw.). Sobald die Musik verstummt, begeben sich alle auf die Suche nach ihrem Reimzwilling. Dabei nennt jedes Kind sein Wort ohne die Karte zu zeigen. Haben sich alle Zwillinge gefunden, werden die Wörter laut vorgesprochen. Anschließend wandern alle Karten in den Korb zurück und eine neue Runde kann beginnen.
Variante: Mit den passendem Reimtrio-Karten lässt sich das Spiel nach den gleichen Regeln auch als Reim-Drilling spielen. Sobald einige Kinder in der Klasse lesen können, kann man die Bildkarten durch passende Wortkarten ergänzen, sodass ein Drilling aus zwei Bildkarten und einer Wortkarte besteht.
Menschen-Memory
Benötigte Materialien: Reimwörter-Bildkarten
2-4 Kinder verlassen den Raum. Alle anderen Kinder erhalten eine Bildkarte, die sie sich anschauen und dann verdeckt vor sich auf den Tisch legen. Die Kinder, die draußen gewartet haben, werden hereingeholt und spielen nun gegeneinander Memory. Dazu tippt das Kind, das gerade an der Reihe ist, nacheinander 2 Personen an, die ihre Begriffe nennen ohne die Karten zu zeigen. Handelt es sich um ein Reimpaar, stellen sich beide Kinder zu dem Kind, das gerade am Zug ist. So wird weitergespielt bis alle Pärchen gefunden sind und das Kind mit den meisten Pärchen gewonnen hat.
Weitere Anregungen
Die Förderung der phonologischen Bewusstheit durch den spielerischen Umgang mit Reimen kann auch mithilfe von kostenlosen oder sehr kostengünstigen Spielen wie z. B. Reimwörter-Memory, Reimwörter-Ketten, Würfelspielen mit Reimwörtern, Reimwörter-Dominos, Reimwörter-Bingo usw. erfolgen.

Viele der hier vorgeschlagenen Spielideen lassen sich in abgewandelter Form auch als Übungen zur Silbengliederung oder zur Lautidentifikation nutzen. Ab Ende Klasse 1 können die Bildkarten zunehmend durch Wortkarten ersetzt werden.
Download
- Praxistipp: Phonologische Bewusstheit - spielerische Übungen zu Reimen
Weitere Übungen zur phonologischen Bewusstheit
- Phonologische Bewusstheit: spielerische Übungen zur Lautidentifikation
- Phonologische Bewusstheit: spielerische Übungen zur Silbengliederung