Vier Wünsche ans Universum

„hallo“ – so endet Erin Entrada Kellys Kinderbuch Vier Wünsche ans Universum. Hinter dieser kleinen, scheinbar bedeutungslosen Begrüßungsfloskel verbirgt sich ein großes Abenteuer, an dem fast alle Figuren wachsen. Da ist zunächst Virgil, der neben seinen sportlichen und extrovertierten Brüdern beinahe verschwindet, weil er klein und schüchtern ist. Nur seine Großmutter scheint ihn wirklich wahrzunehmen und sein einziger Freund ist sein Meerschweinchen Gulliver, das er in einem Rucksack bei sich trägt. Und da das Leben oft nicht fair ist, wird Virgil in der Schule gemobbt: Chet Bullen macht ihm das Leben schwer, wann immer sich ihre Wege kreuzen. Auch Valencia, eine taube Mitschülerin, ist Ziel von Chets verbalen Angriffen; sie schert sich aber wenig um den Bully. Stattdessen treibt Valencia ein stetig wiederkehrender Alptraum um, in dem sie plötzlich ganz allein auf der Welt ist. Deswegen sucht sie Hilfe bei der 12-jährigen Kaori, die an die Kräfte des Universums glaubt und die sowohl Virgil als auch Valencia als Hellseherin ihren Rat anbietet. Als Virgil am ersten Sommerferientag nach einer Attacke Chets auf dem Grund eines Brunnens festsitzt, kreuzen sich die Lebenswege der vier Protagonisten, die sonst nur wenig miteinander zu tun haben.

Dieser Roman ist aus mehreren Gründen lesenswert: Entrada Kelly verzichtet auf den pädagogischen Zeigefinger, der so gern erhoben wird, wenn es um das Thema Mobbing geht. Stattdessen wird die Entwicklung der Geschichte alternierend aus der Sicht der vier Protagonisten eindringlich, oft auch humorvoll und sprachlich äußerst gelungen erzählt. Ein weiterer Pluspunkt des Romans ist die Diversität der Hauptfiguren: Virgil hat philippinische Wurzeln, Kaori japanische, Valencia hingegen ist taub. Diese Merkmale spielen zwar eine Rolle, im Vordergrund stehen jedoch die Persönlichkeiten und großen und kleinen Sorgen der Figuren und nicht ihre Andersartigkeit. Der für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2019 nominierte Roman bietet über die Mobbingproblematik hinaus eine Vielzahl von besprechenswerten Themen: Freundschaft, Mut, innere Stärke und – wer es philosophisch mag – die Frage nach Zufall und Schicksal. Ferner durchzieht der Topos von Mythen die Handlung. Die thematische Vielfalt und die Schilderung der Ereignisse aus der Sicht von Mädchen und Jungen machen den Roman für beide Geschlechter interessant.

Erin Entrada Kelly: Vier Wünsche ans Universum. München: dtv (Reihe Hanser), 2018. Ab 11 Jahren.

© Cover: dtv

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