Sieben. Spiel ohne Regeln.

Lincoln Selkirk, die Hauptfigur in M.A. Bennetts „Sieben. Spiel ohne Regeln“, strandet nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel. Aber er ist nicht – wie zu erwarten wäre – schockiert und panisch, sondern einfach nur froh. Denn mit ihm im Flugzeug saßen sechs Mitschülerinnen und Mitschüler, die ihn die letzten drei Jahre seines Lebens bis aufs Blut gequält und erniedrigt haben. Und jetzt sind sie tot. Das glaubt Lincoln zumindest. Umso furchtbarer ist für ihn die Entdeckung, dass die vermeintlich Toten quicklebendig sind. Doch dann erkennt Lincoln, dass die anderen ihn brauchen: Er, der größte Nerd, hat das nötige Wissen, um auf der Insel überleben zu können. Daniel Düsentrieb – wie er sich selber einmal nennt – kann Feuer machen, Essen besorgen und nützliche Dinge mit den vorhandenen Materialien bauen. Das stellt die Machtverhältnisse innerhalb der Gruppe komplett auf den Kopf und führt zu der Frage, ob das Mobbingopfer Lincoln seine neue Macht nutzen wird, um sich an den anderen zu rächen.

Bennetts Roman ist eine typische Robinsonade und erinnert an „Herr der Fliegen“. Es überrascht nicht, dass die Hauptfigur ein Faible für dieses Genre hat und allein dadurch prädestiniert ist, die Gruppe vor dem sicheren Tod zu retten. Interessant und spannend zu lesen ist, wie sich das soziale Gefüge verschiebt und was Macht mit und aus Menschen macht. So viel sei vorweggenommen: Mehr als einmal wandelt sich das Mitleid und die Sympathie für den gemobbten Lincoln in reine Abscheu. Wer genau liest, dem entgehen zudem die kleinen Hinweise nicht, dass mit der Insel etwas nicht stimmt. Wer dies nicht tut, erlebt am Ende des Romans noch eine große Überraschung.

„Sieben. Spiel ohne Regeln“ eignet sich aufgrund des Umfangs (stattliche 396 Seiten) nur in Auszügen für eine gemeinsame Klassenlektüre, aber der Roman ist eine prima Privatlektüre für Jungen und Mädchen. Aufgrund des Personals mangelt es nicht an Identifikationsangeboten, auch wenn die Erklärungsmuster für die Handlungsweisen der Figuren nicht überraschen. 

M.A. Bennett. „Sieben. Spiel ohne Regeln.“ Würzburg: Arena Verlag, 2020. Ab 14 Jahren.

© Cover: Arena Verlag 

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