Sankt Irgendwas

Showdown in „Sankt Irgendwas“

„Hast du was gehört von der b?“ – so beginnt der nur 124 Seiten lange Jugendroman „Sankt Irgendwas“ von Tamara Bach. Aber diese 124 Seiten haben es in sich. Zunächst erfährt die Leserschaft nichts, außer dass auf der Klassenfahrt der 10b etwas wegen eines Handys vorgefallen ist und der Klassenlehrer, Herr Dr. Utz, zu einer Klassenkonferenz geladen hat. Die Gerüchteküche brodelt - hier sehr authentisch dargestellt durch den anfänglichen Dialog zwischen vier unbenannten Schülerinnen bzw. Schülern der gleichen Schule. Fake News lassen grüßen! Die Klasse selber schweigt eisern zu den Vorfällen. Erst nach und nach entfaltet sich das Geschehen mithilfe von Protokollen, die die Schülerinnen und Schüler im Auftrag des Klassenlehrers nacheinander für jeden Tag der Klassenreise anfertigen müssen.

Die ersten Protokolle sind vor allem eins: sehr unterhaltsam.

08.14:   Stau.
08.20:   Stau.
08.26:   Stau.

[…]

11.00:  Abfahrt
11.04:  Abfahrt
11:20:  Abfahrt (Alle vollzählig endlich, weil drei GEDUSCHT HABEN! ICH HÄTTE AUCH GERNE GEDUSCHT!)

Das Lachen über die etwas renitenten, aber sympathischen Jugendlichen, über den stetig schlecht gelaunten Busfahrer und über den verstockten Klassenlehrer bleibt den Leserinnen und Lesern jedoch schrittweise im Halse stecken, denn zwischen Dr. Utz und der Klasse entfaltet sich ein Konflikt, dessen Eskalation auch die besonnene Deutschlehrerin Frau Kaiser , die die Fahrt begleitet, nicht verhindern kann.

Tamara Bachs Roman überzeugt auf ganzer Linie: Er ist sprachlich und erzähltechnisch äußerst gelungen, die Darstellung der Figuren wirkt authentisch. Eben weil das Ergebnis der Klassenfahrt von Beginn an bekannt ist, der Grund dafür aber erst spät klar wird, wird der Spannungsbogen der Handlung sehr lang aufrechterhalten.

Dieses Jugendbuch lohnt sich besonders als Klassenlektüre in den Jahrgängen 9 und 10. Thematisiert werden können neben der Entstehung von Gerüchten insbesondere Macht und Machtmissbrauch, Entstehung und Eskalation von Konflikten, Loyalität und Zusammenhalt. Aber auch die sprachliche Gestaltung und die erzähltechnischen Kniffe sollten nicht unberücksichtigt bleiben.

Tamara Bach: Sankt Irgendwas. Hamburg: Carlsen Verlag, 2020. Ab 14 Jahre.

© Carlsen

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