Rosalie: eine einfühlsame Geschichte über das Kind-Sein in Zeiten des Krieges

„Ich habe ein Geheimnis“, mit diesen Worten beginnt die fünfjährige Rosalie ihre Geschichte zu erzählen. Während ihr Vater als Soldat an der Front für das Vaterland kämpft und ihre Mutter in der Fabrik arbeitet, sitzt Rosalie tagsüber in der hintersten Schulreihe der Großen. Ganz still versteckt sie sich dort hinter den Jacken und malt in ihr Heft, um den anderen nichts von dem zu zeigen, was sie denkt. In ihren Gedanken sieht sie sich als Hauptmann auf Mission und sehnt sich nach einem Orden.

An den Abenden liest Rosalies Mutter ihrer Tochter aus den Briefen des Vaters vor. Dabei entgeht Rosalie -so klein sie auch ist- die Veränderung nicht, die plötzlich spürbar wird. Sie ahnt, dass mit den Briefen irgendetwas nicht stimmt. So setzt sie alles daran, sich das Lesen selbst beizubringen und ist schließlich bereit für ihre Mission. Sie findet beim Lesen der Briefe die traurige Wahrheit heraus und erhält am Schluss der Geschichte zwar den ersehnten Orden, aber den Vater nicht wieder.
Eine kurze Geschichte, die die bedrückende Stimmung in Kriegszeiten gut verdeutlicht und gleichzeitig zeigt, dass Kinder häufig besser mit der Wahrheit als mit nagender Ungewissheit umgehen können. Das Buch besticht durch eine klare und dennoch einfühlsame Sprache. Die Geschichte ist mit Aquarellen der kanadischen Künstlerin Isabelle Arsenault illustriert. Diese sind in Grau- und Schwarztönen gehalten und werden nur selten durch Farbtupfer aufgelockert, die die Aufmerksamkeit der Lesenden ganz gezielt auf die aufgeweckte Rosalie lenken.
Rosalies Geschichte richtet sich nicht nur an Kinder, sondern auch an Jugendliche und erwachsene Leserinnen und Leser.


Timotheé de Fombelle: Rosalie: Als mein Vater im Krieg war. Hildesheim: Gerstenberg, 2021. Ab 9 Jahren.

© Gerstenberg

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