Pembo – Halb und halb macht doppelt glücklich!

Von Köftoffeln, Düdüks und einem magischen Friseur

Pembo wächst mit ihrer deutschen Mutter und ihrem türkischen Vater an der Westküste der Türkei auf. Sie bezeichnet sich selbst als Köftoffel – eine Mischung aus Köfte, den türkischen Bulletten, und Kartoffeln, dem türkischen Sinnbild für Deutsche. Ihre heile Welt bekommt einen Riss, als ihr Vater von seinem verstorbenen Onkel einen Friseursalon in Hamburg erbt und die Eltern beschließen nach Deutschland zu ziehen. Dort erlebt sie eine große Überraschung. Sie muss einige Hindernisse überwinden, bis alle am Ende mit ihrem Schicksal versöhnt und in der neuen Heimat angekommen sind.

Ayse Bosses Kinderroman „Pembo – halb und halb macht doppelt glücklich!“ verhandelt vor allem Identitätsfragen von großen und kleinen Menschen. Wunderbar verdeutlicht wird dies unter anderem auf sprachlicher Ebene: Jedem Kapitel sind türkische Vokabeln mit deutscher Übersetzung vorangestellt, die im Laufe des jeweiligen Kapitels auftauchen, weil in der alltäglichen Kommunikation beide Sprachen gleichberechtigt eine Rolle spielen. Und manche Formulierungen passen eben in der türkischen Sprache besser als das deutsche Äquivalent. Dadurch wird die Handlung authentisch und glaubwürdig transportiert.
Sowohl Pembo als auch ihre Eltern lernen in Hamburg viele sympathische und hilfsbereite Menschen kennen, aber auch solche, die sie mit allerlei Klischees und Vorurteilen konfrontieren. Sei es der Vater, dem unterstellt wird, er sei qua türkischer Nationalität ein Patriarch, oder Pembo, die in ihrer Art so gar nicht den Vorstellungen eines typischen Mädchens entspricht und deswegen insbesondere von einer Mitschülerin massiv angegangen wird.
Pembo hat an vielen Fronten zu kämpfen: Ihre Eltern geraten in einen nicht zu unterschätzenden Konflikt miteinander und sie vermisst ihre Familie und ihre Freunde. Und das Hamburger Wetter erst! Für einen Menschen, der an der Westküste der Türkei aufgewachsen ist, ist der deutsche Norden vor allem eins: nass und kalt. Unterbrochen werden die großen und kleinen Kämpfe von – im wahrsten Sinne des Wortes – magischen Traumsequenzen, die sich um Pembo und ihren Vater drehen und die als Allegorie auf die Ereignisse in der realen Welt gelesen werden können.

Aufgelockert und veranschaulicht wird der Text durch die wunderschönen Illustrationen von Ceylan Beyoglu, die mit wenigen Ausnahmen in Schwarz- und Blautönen gehalten sind.

Ayse Bosses Roman lohnt sich als Lektüre für Kinder ab 9 Jahren allemal und für Erwachsene, die die zuweilen sehr amüsante Verortung in einer neuen Heimat durch Kinderaugen erleben wollen, ebenfalls.

Ayse Bosse: Pembo – Halb und halb macht doppelt glücklich! Hamburg: Carlsen Verlag, 2020. Ab 9 Jahre.

© Carlsen

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