Ninjas, eine Verschwörung und eine Katze

In Sams Post-Covid-19-Welt gibt es für Kinder und Jugendliche scheinbar nichts Erstrebenswerteres als in einer der Ninja Academys des Marktführers der Ninja-Warrior-Shows „shinobi international“ aufgenommen zu werden. Den erfolgreichsten Absolventinnen und Absolventen winken Ruhm, Ehre und lukrative Werbeverträge. Doch am Tag des „TESUTOs“, der Aufnahmeprüfung der Akademie, geht in Bornholm, wo sich eine der Ausbildungsstätten befindet, alles durcheinander. Plötzlich ist eine Anmeldung zur Prüfung nicht mehr möglich. Die Ereignisse überschlagen sich und der 13-jährige Protagonist Sam wird gemeinsam mit vier anderen Jugendlichen auf dem Gelände der Akademie erwischt. Der Traum von einem Besuch der Ninja Academy scheint zu platzen, doch dann erhält die Gruppe vom Firmeneigner Rune Kortano und vom Leiter der Bornholmer Niederlassung Dr. Hartmut Berger (genannt Buddha) einen Geheimauftrag. Wird der erfolgreich absolviert, so dürfen die Teenager an dem „TESUTO“ teilnehmen. Also machen sich Sam, Svea aus Schweden, Bent aus Irland, Marta-Zofia aus Ungarn und Li Ho aus der Schweiz samt seiner Katze Otis auf den Weg nach Berlin, um die geheime Mission zu erfüllen. Die Jugendlichen müssen jedoch schnell erkennen, dass „nicht immer alles so ist, wie es scheint“.

Kai Lüftners „Ninja Academy – Der Auftrag” (Band 1) ist spannend und aufgrund seiner Aufmachung abwechslungsreich. Der Erzähltext wird unterbrochen von handgeschriebenen Notizen (Erklärungen, Sinnsprüchen u.v.m.) und Bildmaterial. Außerdem erfolgen in regelmäßigen Abständen Hinweise auf Lieder, die begleitend gehört werden können. Ungewöhnliche Begriffe und zentrale Figuren sind im Text gehighlightet und werden in einem angehängten Glossar erklärt. Das multimodale Layout dürfte für schwache Leserinnen und Leser jedoch eine Herausforderung darstellen: Der handschriftliche Schrifttypus ist nicht einfach zu entziffern, das Wasserzeichen der fiktionalen Firma auf jeder Seite erschwert manchmal die Lektüre und die Verknüpfung zwischen den Notizheftseiten und dem Erzähltext verlangt zusätzliche Sinnkonstruktionen.
Für geübte Leserinnen und Leser (entgegen der Verlagsempfehlung) ab 11 Jahren lohnt sich der Roman. Die bunt gemischte Gruppe von Jugendlichen stellt eine breit gefächerte Identifikationsfläche dar: Vorlaut und mutig, clever, still und zurückhaltend, teilweise an sich zweifelnd sind nur einige der Eigenschaften der Protagonistinnen und Protagonisten.
Bereits im ersten Band werden Fäden für den (oder die?) folgenden Band (Bände) ausgelegt: Es wird angedeutet, dass Sams verschwundener Vater kein Unbekannter in Academy-Kreisen ist. Und der „TESUTO“ steht am Ende des 1. Bandes noch aus. Ein Kauf oder eine Ausleihe des Folgebandes folgt bestimmt.

Kai Lüftner: Ninja Academy – Der Auftrag (Band 1). Hamburg: migo, 2021. Ab 9 Jahren.

© migo

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