Nachtbushelden: spannende Abenteuergeschichte, die zum Nachdenken über ernste Themen anregt

Seinen Vornamen hat der zehnjährige Hector der Schwäche seiner Eltern für griechische Helden zu verdanken. Zum Helden macht ihn dieser auf den ersten Blick allerdings nicht. Nein, ganz im Gegenteil: Hector ist ein richtiges Ekel. Er verpasst keine Gelegenheit, andere Kinder zu beleidigen, zu ärgern und zu verprügeln, nimmt Mitschülern Süßigkeiten ab oder stellt ihnen ein Bein. Dies tut er weniger aus Boshaftigkeit, denn aus Langeweile. Dass er sich damit bei Lehrkräften und Eltern eine Menge Ärger einhandelt, scheint ihn kaum zu stören. Längst hat er sich mit einer gewissen Gleichgültigkeit damit abgefunden, dass er für die Eltern, die beruflich wenig Zeit und kaum Interesse an ihm haben, ein „hoffnungsloser Fall“ ist. Von seiner Freundin Katie und seinem Freund Will lässt er sich zu immer neuem Unfug anstiften und versenkt schließlich den Einkaufwagen eines Obdachlosen mit dessen Besitz im Teich des nahegelegenen Parks: eine Tat, die er zwar nicht direkt bereut, die sich aber nicht so leicht abschütteln lässt.

Parallel zu Hectors Untaten kommt es in seiner Heimatstadt London zu einer Reihe an Kunstrauben auf öffentlichen Plätzen. Verdächtigt werden hier die Obdachlosen. Als besonders Thomas, der Obdachlose aus dem Park, unter falschen Verdacht gerät, ergreift Hector – nicht ganz freiwillig – die Chance, das Geschehene wiedergutzumachen. Zusammen mit seiner mutigen Mitschülerin Mei-Li, die durch ihre Mitarbeit in einer Suppenküche viele Obdachlose kennt, wagen sie das Abenteuer, die Raubserie aufzuklären. Eine spannende Detektivjagd entlang der Nachtbuslinie durch London beginnt, bei der geheime Zeichen entschlüsselt und Botschaften richtig gedeutet werden müssen. Insbesondere Hector muss hier großen Mut beweisen und über sich selbst hinauswachsen. Dies verändert ihn nicht nur grundlegend, sondern gibt ihm schließlich auch die Chance, zu zeigen, dass man seinem Namen nicht nur als griechischer Held, sondern auch als Nachtbusheld alle Ehre machen kann. 
Eine Besonderheit des Buches liegt darin, dass es der Autorin Onjali Q. Raúf mit „Nachtbushelden“ gelingt, neben der spannenden Handlung auch Einblicke in das Leben Wohnungsloser zu gewähren und damit schwierige Themen wie „Obdachlosigkeit“ und „Wohlstandverwahrlosung“ anzureißen, ohne diese in den Vordergrund zu stellen. So eignet sich das Buch für alle Leserinnen und Leser, die spannende Geschichten lieben, und bietet auch als Schullektüre reichlich Gesprächsanlass.


Onali Q.Ráuf: Nachtbushelden. Zürich: Atrium 2021. Ab 10 Jahren.

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