Hallo, Herr Eisbär! Eine vergnügliche, aber ernste Vorlesegeschichte

Passt eine Eisbärengeschichte in den Sommer? Diese hier schon, denn sie ist nicht nur lustig, lebendig und spannend geschrieben, sondern schildert feinfühlig die Geschichte von Arthur, der sich von seinen Eltern vernachlässigt fühlt, weil diese sich intensiv um seinen Bruder Liam kümmern müssen. Liam ist sensibel, schnell  überdreht und braucht viel Aufmerksamkeit.

Arthur hat mal wieder einen heftigen Streit mit seiner Mutter, weil er angeblich Liams „Perspektive“ nicht genug beachtet hat. Als er wütend die Haustür aufreißt, um nun endgültig von zu Hause wegzurennen, steht ein Eisbär vor der Tür. Dieser Eisbär hat einen alten braunen Koffers dabei, auf dem sein Name „Herr Eisbär“ steht. „Herr Eisbär“ entpuppt sich als äußerst gutmütiger Typ. Am Anfang versucht Arthur noch, ihn vor dem Rest der Familie zu verstecken, aber bald schließen ihn sogar Mama, Papa und selbst Liam ins Herz.

Dann geht das Eisbären-Abenteuer erst richtig los. Denn wie bekommt man einen Eisbären in die Schule?  Die Herausforderung, einen sehr großen Eisbären auf den Rücksitz von Mamas Auto  zu bekommen, erweist sich als unlösbar, aber zum Glück gibt es ja auch den noch den Bus. Wie wird Herr  Kettler, Arthurs Klassenlehrer, der eigentlich kein Freund von unvorhersehbaren Situationen ist, reagieren?

Das mit zum Teil ganzseitigen, witzigen Schwarz-Weiß-Zeichnungen illustrierte Kinderbuch von Maria Farrer eignet sich hervorragend zum Vorlesen für Kinder ab 7 Jahren. Dazu tragen nicht nur die skurrilen Situationen bei, die Arthurs Familie mit ihrem neuen Familienmitglied erleben, sondern auch die häufig verwendete wörtliche Rede und die lebendige Sprache.

Am Ende muss sich Arthur wieder von seinem imaginären Eisbären-Freund verabschieden. Das fällt nicht nur Arthur, sondern auch uns als Leserinnen und Leser schwer. Wer allerdings auf den Geschmack gekommen ist, dem sind noch folgende witzigen Vorleseklassiker zu empfehlen: In Hilke Rosenbooms „Ein Pferd namens Milchmann“ (Carlsen 2007) steht nämlich plötzlich ein Pferd vor der Tür und bei Markus Orths „Ein Zebra unterm Bett“ (Moritz 2019) ist es ein Zebra namens Bräuninger.

Da ein ungekürztes Hörbuch auf dem Markt erhältlich ist (HörCompany 2019), eignet sich das Eisbären-Buch auch für die Praxismethode „Lesen durch Hören“.

Maria Farber: Hallo, Herr Eisbär. Beltz & Gelberg 2019. Ab 7 Jahren.

© Cover: Beltz & Gelberg

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