Future History 2050

Ein Roman unserer Zeit

Thomas Harding hat gleich doppelt mit dem Roman „Future History 2050“ zu tun: Er ist der Autor des Romans, in dem gleichzeitig ein Historiker mit seinem Namen eine maßgebliche Rolle spielt. Besagter Historiker erklärt im Vorwort, dass er im Berliner Landesarchiv in einer Schachtel neun Notizhefte gefunden habe, die die Jahre 2020 – 2050 umfassen. Das Irrwitzige daran: Die Notizhefte kommen aus der Zukunft. Was die Figur Harding zunächst für einen Scherz hält, erscheint mit wiederholter Lektüre immer glaubwürdiger, weswegen er sich entscheidet, die Hefte zu publizieren.
Die Aufzeichnungen in den Notizbüchlein basieren auf Interviews, die die 14-jährige Londonerin Billi im Jahr 2050 mit ihrer 100-järigen Großmutter Nancy, einer ehemaligen Geschichtsprofessorin, über die vergangenen 30 Jahre führt. Ihre Gespräche drehen sich maßgeblich um zwei Themen, nämlich um die Ereignisse der Jahre ganz allgemein und um Billis Onkel Quentin, einen Umweltaktivisten, der bereits tot ist. Sehr schnell wird deutlich, dass sich das Leben aller spätestens ab 2022 wandelt, denn da ist der Höhepunkt der Klimakrise, die alle SHOCK nennen, erreicht: Unwetterkatastrophen, daraus resultierende (kriegerische) Konflikte und Epidemien (im Plural!) verändern das Leben der Menschen tiefgreifend. Wohnen ist nur noch auf kleinstem Raum möglich, Reisen quasi nicht mehr, demokratische Strukturen sind non-existent. Stattdessen wird die Welt von superreichen Wirtschaftsführern, sogenannten Ethnarchen, verwaltet.
Um die Lebenswelt der Menschen im Jahr 2050 und die Ereignisse der Vergangenheit zu dokumentieren, sind den Notizen allerlei originale Quellen „beigelegt“. Da sind Fotos, Postkarten, Werbeanzeigen, Briefe und vieles mehr. Die farbig abgedruckten Materialien ergänzen und belegen das Erzählte, sodass die Schilderungen Billis ein hohes Maß an Authentizität erhalten.

Es ist ein Schreckensszenario, dass der Autor Harding mit seinem Roman von unserer Zukunft zeichnet. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Ereignisse (Überflutungen, Hitzewellen, Covid-19, aber auch der Vorstoß der Superreichen ins All) wirkt der (noch) fiktionale Entwurf unserer Zukunft überaus überzeugend und so beklemmend, dass man alle fünf Seiten das Buch zur Seite legen möchte, um den Müll ein zweites Mal zu trennen. Im Grunde ist der Roman ein 189 Seiten langes Plädoyer dafür, sich den dringenden Fragen zum Klima und Umweltschutz zu widmen und so die hier dargestellte Zukunft zu verhindern. Mit Recht ist dieses Jugendbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2021 nominiert.

Thomas Harding: Future History 2050. Berlin, Stuart & Jacoby, 2020. Ab 15 Jahren.

© Stuart & Jacoby

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