Fiebriger Roadtrip im Wettlauf gegen die Zeit - ein psychologischer Jugendroman

„Wenn ich ES jemals tue, gebe ich dir die Kette zurück, Elli“, hatte Marilu ihr geschworen.

Zwei Jahre später wird Elli an diesen vergessenen Schwur erinnert, als sie die Kette im Briefkasten findet. Der beiliegende Brief von Marilu ist ein Hilferuf und gleichzeitig der Startschuss zu einem rasanten und emotionalen Roadtrip. Ella und Marilus Bruder Lasse wissen, dass sie keine Wahl haben und machen sich auf den Weg, um Marilu zu retten, bevor es zu spät ist.
Gemeinsam folgen sie den Spuren, die Marilu in einer Art perfekt inszeniertem „Spiel“ für sie ausgelegt hat. Im Wettlauf gegen die Zeit lösen sie die Rätsel, die Marilu ihnen an unterschiedlichsten Orten hinterlassen hat, und meistern Herausforderungen, die sie bis an ihre Grenzen treiben. Immer wieder konfrontiert Marilu sie dabei ganz gezielt mit ihren persönlichen Schwächen. Auf diese Weise zwingt sie die beiden dazu, sich mit ihren eigenen Ängsten auseinanderzusetzen und über sich selbst hinauszuwachsen. 
Unterstützt werden die beiden durch Ellis Freund Tom und Marilus Freundin Jule, die auf halber Strecke des Roadtrips dazustoßen. In Jules Auto machen sich die vier Jugendlichen, die von ihrer Persönlichkeit kaum unterschiedlicher sein könnten, schließlich auf den Weg nach Berlin, begleitet von der quälenden Ungewissheit, ob sie früh genug bei Marilu sein werden, um das Schlimmste zu vermeiden.

Wie Ella und Marilu sich vor zwei Jahren durch einen gemeinsamen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik kennengelernt haben, erfahren Leserinnen und Leser erst nach und nach im Verlauf der Handlung. In kurzen Rückblenden wird aus Sicht von Ella über diese Zeit berichtet. Diese Informationen setzen sich während des Lesens langsam wie Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammen. So sind Leserinnen und Leser immer wieder gefordert, sich mit den Personen des Buches auseinanderzusetzen und ihre Eigenarten einzuordnen. Marilus Verhalten, ihre Botschaften und perfekt durchgeplanten Aktionen gewähren vor dem Hintergrund der Rückblenden einen Blick darauf, wie das Leben einer Person mit einer bipolaren Störung aussehen kann. So setzt sich der Jugendroman auf sehr einfühlsame Weise mit psychischen Erkrankungen und Suizid auseinandersetzt, ohne dass diese ausschließlich im Vordergrund stehen.

Der Coming-of-Age-Roman ist allen Jugendlichen zu empfehlen, die fesselnde und zugleich einfühlsame Geschichten mit psychologischem Hintergrund lieben.

Tania Witte: Marilu. Würzburg: Arena, 2021. Ab 14 Jahre.

© Arena

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