Esther und Salomon

Das Gefühl von explodierenden Feuerwerkskörpern

Ein Urlaub am Strand – die Spannungen zwischen den Eltern verbreiten einen „eisigen Wind“, nur die kleine Schwester ist ein Lichtblick: Esther möchte am liebsten wieder nach Hause. Bis ihre Schwester Flippa am Strand die gleichaltrige Aisha kennenlernt, die wiederum von ihrem Bruder Salomon begleitet wird. Zwischen Esther und Salomon funkt es sofort und aus zarten Annäherungsgesten wird ein unbändiges Gefühl, dem Esther nach einem heimlichen Treffen in der Nacht Ausdruck verleiht:


[In] mir explodiert ein Feuerwerk,
ich will jauchzen,
Räder schlagen,
wild auf etwas trommeln.

So muss sich
ein Grashüpfer fühlen,
ein Astronaut,
ein Feuerwerkskörper.

Wer Elisabeth Steinkellers wunderbaren Versroman „Esther und Salomon“ auf eine Geschichte über eine Sommerliebe reduziert, tut ihm Unrecht, denn er ist so viel mehr. Der Aufenthalt im Urlaub wird aus Esthers Perspektive erzählt. Etwa in der Mitte der Geschichte endet ihr Urlaub, sie reist ab und Salomon übernimmt die Erzählerrolle. So wie Esther unter der sich anbahnenden Trennung der Eltern leidet, trägt auch Salomon sein Päckchen. Im zweiten Teil des Romans entfaltet sich die Tragik seines Lebens, denn die Leserschaft erfährt mehr über Salomons Hintergrund: den grausamen Tod des Vaters, die traumatisierende Flucht über das Meer nach Deutschland, die neue Liebe seiner Mutter zu einem Deutschen, die Salomon nicht so richtig akzeptieren mag. Und zwischen all dem plagt Salomon die Sehnsucht nach Esther und die wachsende Unsicherheit, ob und wie eine Beziehung zwischen den beiden über eine Distanz funktionieren kann. Ergänzt und veranschaulicht werden die beiden Erzählstränge durch handschriftliche Briefe, Fotos (Esther) und Zeichnungen (Salomon).

„Esther und Salomon“ bietet zahlreiche Redeanlässe rund um die großen und kleinen Fragen des Lebens und eignet sich hervorragend für den Einsatz im 9. oder 10. Jahrgang. Auch schwache Leserinnen und Leser dürften sich an diese Lektüre trauen, denn es ist nur wenig Text zu erlesen und die Fotos und Zeichnungen unterstützen den Leseprozess. Lesebefehl!

Elisabeth Steinkeller: Esther und Salomon. Innsbruck: Tyrolia, 2021. Ab 14 Jahren.

© Tyrolia

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