Eine Liebeserklärung in Briefen

Als der namenlose Briefschreiber 8 Jahre alt ist, bekommen seine Eltern ein weiteres Kind. Der Bruder wird dazu verdonnert, Bilder für das Baby-Album der Schwester zu malen und ihr zum Geburtstag einen schriftlichen Glückwunsch zu verfassen. Zunächst tut er dies widerwillig, aus jedem Strich und jedem Buchstaben tropft die Ablehnung der nervigen kleinen Schwester. Trotzdem entwickelt sich das Schreiben an die Schwester zu einer Gewohnheit, die erst ein (vorläufiges) Ende findet, als der Bruder zehn Jahre später zur Universität geht.

Alison McGhees Briefroman für Kinder ist wunderbar und er ist so viel mehr als das Zeugnis eines sich veränderten Geschwisterverhältnisses. Mit den Briefen begleiten die Leserinnen und Leser den Bruder durch Höhen und Tiefen, wachsen mit ihm heran, leiden mit ihm, als sein bester Freund wegzieht, und sorgen sich mit ihm, als die Schwester schwer erkrankt.
Um die Briefe auch äußerlich authentisch zu gestalten, sind sie durchgängig in Handschrift gedruckt. Deswegen eignet sich dieser Roman für die selbstständige Lektüre erst ab Klasse 4. Begleitet und aufgelockert werden die Briefe aber durch zahlreiche, schöne Illustrationen (Joe Bluhm), sodass der Textumfang insgesamt überschaubar bleibt.
Auch als Klassenlektüre ist der Roman geeignet. Das Problem mit nervenden Geschwistern ist vielen Kindern aus eigener Erfahrung bekannt. Zudem ruft die einseitige Sichtweise des Bruders geradezu nach einer handlungs- und produktionsorientierten Ergänzung z.B. durch Briefe der Schwester oder selbst geschriebene Dialoge zwischen den Figuren.
McGhees Roman „Liebe Schwester. Briefe an meine kleine Nervensäge“ ist ein Lesevergnügen – auch für Erwachsene.

Alison McGhee und Joe Bluhm: Liebe Schwester. Briefe an meine kleine Nervensäge. München: Knesebeck Verlag, 2020. Ab 8 Jahre.

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