Eindrucksvolle und außergewöhnliche Pferdegeschichte

Sophie liebt Pferde über alles und würde am liebsten jede freie Minute auf dem Reiterhof verbringen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn Reitstunden sind ziemlich teuer und außerdem fänden ihre Eltern es viel besser, wenn Sophie wie ihr kleiner Bruder Fußball spielen würde. Doch Sophie lässt nicht locker und bekommt schließlich die Chance, sich um ein „Problempony“ zu kümmern. Pony Sokrates, genannt Socke, wurde misshandelt und lässt zunächst niemanden an sich heran. Doch mit einem starken Willen, viel Einfühlungsvermögen und der Hilfe von Frau Vanderbilt, die Sophie die Pferdesprache und den richtigen Umgang mit Pferden erklärt, gelingt es ihr schließlich, einen Zugang zu Socke zu finden. Als Socke allmählich wieder Zutrauen zu den Menschen im Reitstall gewinnt und sich sogar reiten lässt, soll er allerdings verkauft werden und Sophie steht vor einer neuen Herausforderung.

Das Besondere an der Geschichte ist, dass Sophie und Socke abwechselnd erzählen, so dass Leserinnen und Leser sich gut in die Gefühlswelt der beiden hineinversetzen können. Besonders die Kapitel, in denen Socke erzählt, eröffnen der Leserschaft einen ganz ungewohnten, neuen Blickwinkel. Häufig muss man darüber schmunzeln, wie Socke, die Dinge sieht. Mit der Pferdenase auf das manchmal merkwürdige Verhalten der Menschen gestoßen, beginnt man sich gleichzeitig aber auch Fragen zu stellen. Wieso grenzen Menschen Einzelne aus, während Zusammenhalt für Pferde unumstößlich ist? Was können wir als Menschen von ihnen lernen? Ist es in Ordnung, Pferde einzusperren? – Mit diesen, zwischen den Zeilen stehenden, gesellschaftskritischen Fragen, wie man sie von Juli Zeh kennt, gelingt es der Autorin auf besondere Weise, die jungen Leserinnen und Leser herauszufordern, ohne sie dabei zu überfordern.
Im Anhang des Buches werden viele der im Text verwendeten pferdespezifischen Begriffe erklärt. In 15 Kurzkapiteln erhält man hier jede Menge Expertenwissen und erfährt, was ein Steppentier ist, wie man sich auf „pferdisch“ begrüßt oder was Desensibilisierung bedeutet.
Eine spannende und humorvolle Pferdegeschichte mit farbigen Illustrationen, für alle, die sich für Pferde und fürs Reiten begeistern. Zusätzlich zum Buch ist die ungekürzte Hörbuch-Version zu empfehlen, in der die sehr lebhaft wiedergegebenen Beiträge von Socke und Sophie von zwei unterschiedlichen Sprechern gelesen werden. Die Hörbuchversion ist auch über Spotify erhältlich und sehr gut geeignet für den Einsatz von „Mitleseverfahren“. Eine Möglichkeit zum Hineinhören gibt es hier.


Juli Zeh: Socke und Sophie – Pferdesprache leicht gemacht. München: dtv, 2021. Ab 10 Jahren.

© dtv


 

 

 

 

 

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