Ein Lebenslauf des Lesens: Leseförderung in Öffentlichen Bibliotheken

Aufgaben im Bereich der Leseförderung bestimmen zunehmend das tägliche Arbeitsgeschäft in Öffentlichen Bibliotheken. Bibliotheken übernehmen dabei im Gefüge von Schule, Kita und Eltern eine zentrale Rolle. Bibliotheken sind die einzigen Einrichtungen, die bei der Leseförderung Kinder und Jugendliche vom Babyalter bis zum Ende der Schulzeit erreichen. Kinder und Jugendliche, die regelmäßig die Angebote Öffentlicher Bibliotheken nutzen, entwickeln im Rahmen ihrer „Bibliothekslaufbahn“ im Regelfall eine stabile positive Grundhaltung zum Lesen.

Bibliotheken beschränken sich dabei nicht nur auf Printmedien, sondern beziehen bei ihren Angeboten auch digitale Medien mit ein und berücksichtigen mit dieser Vielfalt die alltägliche Praxis in der Mediennutzung Kinder und Jugendlicher.

Nicht zuletzt bieten Bibliotheken Räume zur Kommunikation über Leseerfahrungen, die losgelöst vom schulischen Kontext freier und weniger leistungsbestimmt sind.

Diese besondere Rolle, die Bibliotheken bei der Leseförderung übernehmen, waren für die beiden Autorinnen, zwei ausgewiesene Expertinnen im Bereich der praktischen Leseförderung und Leseforschung, Anlass, dieses umfassende Handbuch zu veröffentlichen.

Ausgehend von einer grundlegenden Darstellung zur Leseförderung in Öffentlichen Bibliotheken werden dabei  anhand der verschiedenen Lebensphasen von der frühkindlichen Leseförderung, über das Kindergarten- und Grundschulalter bis hin zur Leseförderung für Jugendliche zahlreiche Methoden und praktische Beispiele vorgestellt. Dabei werden bewährte Standardmethoden aus der Praxis wie Vorlesen, Bilderbuchkino und Lesenächte genauso wie bisher noch nicht so verbreitete Formen wie interaktive Boardstories, social reading und transmediales Erzählen beschrieben. Ein gesondertes Kapitel befasst sich mit der Interessenslage Erwachsener und weist auf Veranstaltungsformate wie Lesungen, Erzählcafés, Angebote zur Alphabetisierung und zur Begegnung mit Menschen mit Demenz hin. Detaillierte Konzeptideen und Ablaufpläne erleichtern die Umsetzung in die Praxis.

Die grundsätzliche Empfehlung dieser umfassenden Beschreibung bibliothekarischer Angebote wird nur durch Kleinigkeiten eingeschränkt. Im Bereich „Lesesozialisation“ (S. 8ff.) wäre ein Hinweis auf das mittlerweile zum Standardmodell avancierte Mehrebenenmodell zur Didaktik des Lesens von Rosebrock/Nix wünschenswert gewesen. (Cornelia Rosebrock, Daniel Nix: Grundlagen der Lesedidaktik und der systematischen schulischen Leseförderung. Baltmannweiler: Schneider Hohengehren, 2013)

Auch wenn sich das Lesekompetenz-Modell von Rosebrock/Nix im wesentlichen auf die schulische Leseförderung bezieht, kann ein Hinweis auf die Bedeutung des positiven bzw. negativen Selbstbilds des Lesers/der Leserin für eine erfolgreiche Lesesozialisation auch für die bibliothekarische Arbeit von hohem Nutzen sein. Wenn jemand von sich glaubt, dass er kein guter Leser bzw. keine gute Leserin ist, wird er im Regelfall nur schwer den Zugang zum Lesen und zu Büchern finden.

Das im Bereich „Ausgewählte Kampagnen und Aktionen“ (Kapitel 8) vorgestellte Programm „Wir lesen vor – überall & jederzeit“ (S. 193) firmiert seit 2014 unter dem Namen „Bundesweiter Vorlesetag“.

Das Layout ist recht textlastig und die verwendete Schrifttype sehr klein. Zur besseren Übersichtlichkeit und Attraktivität wären weitere Abbildungen und Kopiervorlagen im Anhang wünschenswert. Die Randbemerkungen und integrierten Arbeitsblätter sind allerdings schon ein guter Schritt in diese Richtung und erleichtern die Orientierung.

Ein Standardwerk für alle, die in Öffentlichen Bibliotheken tätig sind, aber auch für Schulbibliothekarinnen und Schulbibliothekare, Lehrkräfte sowie Erzieherinnen und Erzieher ein sehr empfehlenswertes Handbuch, das verdeutlicht,  dass Leseförderung ohne die Zusammenarbeit mit Öffentlichen Bibliotheken nicht denkbar ist.

Kerstin Keller-Loibl, Susanne Brandt: Leseförderung in Öffentlichen Bibliotheken. Berlin: de Gruyter, 2014. (Praxiswissen)

Cover: de Gruyter

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