Die beste Bahn meines Lebens

Bis das Schwimmtalent Jan – der Protagonist des Debuts von Anne Becker – die beste Bahn seines Lebens schwimmen kann, muss er manch ein Hindernis umschiffen. Da ist zum Beispiel Linus, ein Mitschüler aus Jans neuer Klasse und sein Konkurrent im Schwimmverein:

Linus ist der Grund dafür, dass Flo Jan nicht traut, weil sie denkt, dass er gemeinsame Sache mit Linus macht, wenn es darum geht, sie zu mobben. Flo wohnt nebenan, geht auch in Jans Klasse und liebt Mathematik so sehr wie Jan das Schwimmen. Außerdem züchtet sie Hühner. Jan verliebt sich in dieses außergewöhnliche Mädchen, aber es dauert, bis er ihr Vertrauen gewinnen kann. Doch nicht nur die erste Liebe macht Jan zu schaffen. Auch seine Lese-Rechtschreibschwäche, die er vor seinen neuen Mitschülerinnen und Mitschülern verheimlicht, bereitet ihm zunehmend Schwierigkeiten und bringt ihn in unangenehme Situationen.

Die erste Liebe, Mobbing und LRS – all das klingt verdächtigt nach einem sehr pädagogischen Roman, den Kolleginnen und Kollegen lieben und die Jugendlichen nicht. Aber genau das ist dieses Buch aus mehreren Gründen nicht. So vermeidet Anne Becker von Beginn an, die Themen übermäßig zu problematisieren. Jans LRS etwa ist für die Handlung relevant, spielt aber keine Hauptrolle. Auch die Entscheidung, die Handlung maßgeblich aus Jans Perspektive zu schildern, ist genau richtig. Wissen Sie, liebe Leserinnen, wo pubertäre Jungs hinschauen, wenn die Herzensdame im Bikini vor ihnen steht? Nein? Jan zunächst auch nicht, bis er sich für den vermeintlich unverfänglichen Bauchnabel Flos entscheidet. Gerade solche Fenster in die Gedanken- und Gefühlswelt Jans machen den Roman lesenswert und unterhaltsam. Ein weiterer erzähltechnischer Kniff bereichert die erzählte Handlung: Auch Flo kommt zu „Wort“, denn jedem Kapitel ist eine Infografik aus Flos Tagebuch vorangestellt. Diese Infografiken ergänzen, kommentieren und/oder konterkarieren Jans Wahrnehmungen und Schilderungen und gewähren einen Blick in Flos Gedanken- und Gefühlswelt.

Dieser wunderbare Jugendroman eignet sich für den Einsatz in einer 7. Klasse.

Anne Becker: Die beste Bahn meines Lebens. Weinheim: Beltz, 2019. Ab 11 Jahren

© Cover: Beltz

Impressum | Datenschutz | rechtliche Hinweise | Sitemap | Archiv