Deutscher Jugendliteraturpreis 2014 in sechs Kategorien verliehen

Am Freitag, 10. Oktober 2014, hat Manuela Schwesig, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, im Rahmen der Frankfurter Buchmesse den Deutschen Jugendliteraturpreis 2014 in den Sparten Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch verliehen. Zudem überreichte sie den Preis der Jugendjury und den Sonderpreis für das Gesamtwerk Übersetzung.

Mit „Akim rennt“ wurde im Bereich Bilderbuch ein hochaktuelles Buch ausgezeichnet: Die belgische Autorin und Illustratorin Claude K. Dubois erzählt von Akim, in dessen Dorf eines Nachmittags plötzlich der Krieg hereinbricht und der während der Flucht von seinen Eltern getrennt wird. Mit einfühlsamen und zurückhaltenden, sich abwechselnden Texten und Zeichnungen schildert Dubois Akims Erlebnisse und seine Ankunft in einem Flüchtlingslager. „Akim rennt“ schafft ein Bewusstsein für die Situation tatsächlicher Flüchtlinge, die Tag für Tag nach Europa – und nach Deutschland – kommen und erleichtert es Kindern und ihren Eltern, über das Thema zu sprechen.
Claude K. Dubois: Akim rennt. Übersetzt v. Tobias Scheffel. Frankfurt a. M.: Moritz Verlag, 2014. Ab 7 Jahren.

Das beste Kinderbuch des Jahres ist Martina Wildners „Königin des Sprungturms“. Die Autorin, die selbst hobbymäßige Turmspringerin ist, sich in diesem Milieu also gut auskennt, schreibt retrospektiv über die Freundschaft zweier Mädchen, deren gemeinsame Basis im Laufe der Geschichte verlorengeht. Wildner ist „eine psychologisch ausgeleuchtete Erzählung aus dem Milieu des Leistungssports“ gelungen, so die Jury, die an der Grenze zwischen Kinder- und Jugendroman steht.
Martina Wildner: Königin des Sprungturms. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2014. Ab 11 Jahren.

Von einer zerbrechlichen Freundschaft handelt auch der Preisträger der Sparte Jugendbuch: „Wie ein unsichtbares Band“ der argentinischen Autorin Inès Garland spielt im Argentinien der 1970er Jahre. Das Buch zeichnet die Geschichte der wohlhabenden Alma nach, die nicht erkennt, wie ihre Freunde aus Kindheitstagen unter deren sozialer Situation und dem Militärregime leiden, das 1976 an die Macht kommt. Die Jury hob besonders die gelungene deutsche Übersetzung von Ilse Layer hervor, die den „fließende[n] Rhythmus und die Sinnlichkeit der Sprache“ sehr gut wiedergibt.
Inès Garland: Wie ein unsichtbares Band. Übersetzt von Ilse Layer. Frankfurt a. M.: Fischer KJB, 2013. Ab 14 Jahren.

Als bestes Sachbuch wurde „Gerda Gelse. Allgemeine Weisheiten über Stechmücken“ von Heidi Trpak und Laura Momo Aufderhaar geehrt. Das Buch geht über die pure Vermittlung von Fakten über Stechmücken hinaus, indem Gerda, die Stechmücke, aus ihrem Leben erzählt. Dabei kommt auch zur Sprache, welch gutes Team Stechmücke und Mensch doch bilden. Die mithilfe des Pflanzendrucks erstellten Illustrationen tragen entscheidend zum Unterhaltungswert bei, wobei, so die Jury, „jede Verniedlichung konsequent vermieden und ein hoher zoologischer Informationsgehalt erreicht“ wird.
Heidi Trpak, Laura Momo Aufderhaar (Ill.): Gerda Gelse. Allgemeine Weisheiten über Stechmücken. Wien: Wiener Dom-Verlag, 2013. Ab 6 Jahren.

Neben den Preisen der Kritikerjury wählt auch eine Jugendjury – zusammengesetzt aus Leseclubs in ganz Deutschland – jährlich einen Preisträger. Mitglieder der Jugendjury stellten während der Verleihung all ihre Nominierungen zunächst szenisch dar, bevor Raquel J. Palacios Jugendroman „Wunder“ als Gewinnertitel bekanntgegeben wurde. „Wunder“ handelt von August, dessen Gesicht entstellt ist und der mit zehn Jahren erstmals eine Schule besuchen soll. Durch wechselnde Perspektiven wird die ganze Bandbreite der Reaktionen auf August dargestellt. „Das oft genutzte Motiv“, so die Jury, „dass es auf die inneren Werte ankommt, wird hier neu und ohne mahnenden Zeigefinger umgesetzt“.
Raquel J. Palacio: Wunder. Übersetzt v. André Mumot. München: Carl Hanser Verlag, 2013. Ab 12 Jahren.

Mit dem Sonderpreis Übersetzung zeichnete die Jury in diesem Jahr Angelika Kutsch aus. Kutsch, geboren in Bremerhaven, lebt seit 2001 überwiegend in Schweden und übersetzte schon früh Kinderbücher aus dem Schwedischen, Norwegischen und Dänischen. Am bekanntesten sind wohl ihre Übersetzungen von Sven Nordqvists „Pettersson und Findus“-Geschichten, die sie erstmals nach Deutschland brachte. Insgesamt hat sie etwa 400 Kinder- und Jugendbücher ins Deutsche übertragen.

Der Arbeitskreis für Jugendliteratur e.V., Ausrichter des Deutschen Jugendliteraturpreises, führt jährlich zu den nominierten Titeln Praxisseminare zur Vermittlung der Bücher in Schule, Bibliothek oder Buchhandlung durch. Auch in Hannover findet im Juli 2015 in Kooperation mit der Akademie für Leseförderung Niedersachsen eine solche Fortbildung statt.

(Foto: Akademie für Leseförderung Niedersachsen)

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