Der Deutschunterricht „Digitales Lesen“

Nicht selten stimmen Kritikerinnen und Kritiker „Abgesänge auf das Lesen“ (Lauer) an, wenn die Sprache auf die Digitalisierung und ihre Auswirkung auf Leseprozesse und -kompetenzen insbesondere von Kindern und Jugendlichen kommt. Die Zeitschrift Der Deutschunterricht widmet sich im aktuellen Heft dem digitalen Lesen und bietet interessierten Leserinnen und Lesern zu unterschiedlichen Aspekten des digitalen Lesens neue theoretische Erkenntnisse. Die Autorinnen und Autoren zeigen zudem lesedidaktische Potenziale und Perspektiven auf.

Gerhard Lauer beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der jugendlichen Lesekultur und der Frage, inwiefern das sogenannte deep reading auch im Digitalen stattfindet. Vorweggenommen sei an dieser Stelle Lauers Auswertungsergebnis verschiedener Studien: Entgegen der landläufigen Meinung lesen Kinder und Jugendliche nicht weniger. Auch ein vertieftes Lesen findet in bestimmten Kontexten statt, aber zum Teil eben jenseits des Mainstream-Kulturbetriebs der analogen Welt.

Welche besonderen Herausforderungen die Lektüre von digitalen Sachtexten stellt und wie diesen im Deutschunterricht begegnet werden kann, zeigt Maik Philipp gut nachvollziehbar auf: Welche lesedidaktischen Konsequenzen sollte eine Lehrkraft aus dem Wissen ziehen, dass Sachtexte im digitalen Format schlechter verstanden werden als im analogen? Wie sollen sie damit umgehen, dass Informationen aus multimodalen Quellen miteinander verknüpft werden? Oder gar aus multiplen Dokumenten? Auch die Frage nach dem kritischen Lesen (in Zeiten von fake news unverzichtbar) wird aufgegriffen.

Nadja Kerschhofer-Puhalo und Jan Standke werfen in ihren jeweiligen Beiträgen einen Blick auf das Potential von digitalen Texten bzw. Medienverbünden. Die Multiliteralität von digitalen Texten hebt Kerschhofer-Puhalo hervor und stellt mit dem MODIPLAC-Modell ein Analysewerkzeug für solche Texte vor.
Jan Standke zeigt anhand konkreter Materialen auf, dass Medienverbünde im Literaturunterricht ihren Platz haben sollten und müssen.

Abschließend bezieht Elvira Topalovic´ empirische Erkenntnisse auf das Mehrebenenmodell von Rosebrock und Nix und leitet daraus lesedidaktische Konsequenzen für den Deutschunterricht ab.

Abgerundet wird der Themenschwerpunkt mit Auszügen aus Kathrin Passigs „Vielleicht ist das neu und erfreulich“.

Diese Ausgabe des Zeischriftenheftes „Der Deutschunterricht“ sei allen Lehrkräften empfohlen. Man muss nicht allen Punkten in diesem Heft zustimmen, einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema sind die Beiträge aber allemal dienlich und die konkreten Beispiele für lesedidaktische Überlegungen hilfreich.

Der Deutschunterricht. Digitales Lesen. 2020. H. 4. Hannover: Friedrich, 2020.
© Cover: Friedrich-Verlag

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