PISA 2018 – die wichtigsten Ergebnisse: Deutschlands Schülerinnen und Schüler weiterhin im Mittelmaß

2018 lag der Schwerpunkt der von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) initiierten PISA-Studie erneut auf der Lesekompetenz. Am 3. Dezember 2019 wurden die mit Spannung erwarteten Ergebnisse in Berlin veröffentlicht. 5500 Schülerinnen und Schüler aus 223 Schulen wurden in Deutschland getestet. Insgesamt nahmen 600.000 Testpersonen aus 79 Staaten teil.

In der PISA-Studie werden die grundlegenden Kompetenzen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern an zufällig ausgewählten Schulen alle drei Jahre erfasst und miteinander verglichen. Dabei wird jeweils ein Kompetenzbereich als Schwerpunkt genauer untersucht. 2018, wie bereits in den Jahren 2000 und 2009, stand die Lesekompetenz im Vordergrund.  

Die traditionellen Aufgaben zum Leseverstehen und der Interpretation von Texten wurden erstmals durch Aufgaben in einer simulierten Web-Umgebung ergänzt. Die an Bedeutung zunehmenden digitalen Lesekompetenzen, wie beispielsweise Informationen auf Webseiten zu finden oder das Bewerten von Texten im Hinblick auf ihre Glaubwürdigkeit, wurden dadurch zusätzlich erfasst.

Die wichtigsten Ergebnisse von PISA 2018 im Überblick

1. Nach dem schwachen Abschneiden in der ersten, 2001 veröffentlichten PISA-Studie, verbesserten sich die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland zunächst stetig. Dieser Aufstieg stagnierte bereits bei PISA 2015 und setzt sich weiter fort: Die Prüflinge in Deutschland verschlechterten sich im PISA-Test im Vergleich zu 2015 leicht.

2. Dennoch liegen die Lesefähigkeiten der Schülerinnen und Schüler mit 498 Punkten über dem Durchschnitt in den OECD-Staaten (487 Punkte). Das Ergebnis ist ähnlich wie 2009 ausgefallen, als Lesen zuletzt im Mittelpunkt der PISA-Studie stand.

3. Die Unterschiede zwischen den starken und schwachen Leserinnen und Lesern sind in Deutschland besonders groß: 11% der Schülerinnen und Schüler können besonders gut lesen. Das ist mehr als der OECD-Durchschnitt und ein um vier Prozentpunkte besseres Ergebnis als 2009.  Allerdings ist auch der Anteil der besonders leseschwachen Kinder mit 21% sehr groß und steigt stetig. An nicht-gymnasialen Schulen sind es sogar 29%, die große Mühen haben, Texte zu lesen und zu verstehen. 

4. In Deutschland gibt es nach wie vor einen unverändert großen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Lesekompetenz. Das heißt, Schülerinnen und Schüler mit besonders privilegierter sozialer Herkunft schneiden mit 113 Punkten (vgl. 2009: 104 Punkte) besser ab als Schülerinnen und Schüler aus einem sozialschwachen Bereich. Der OECD-Schnitt liegt dagegen bei 89 Punkten. Nur in drei Ländern ist der Abstand zwischen den Herkunftsgruppen größer.

5. Die Lesemotivation und -menge sind seit 2009 sowohl in Deutschland als auch im OECD-Durchschnitt gesunken. Mehr als die Hälfte gibt an, vor allem zu lesen, um benötigte Informationen zu bekommen. Nur rund ein Viertel zählt Lesen zu den liebsten Hobbys.

6. Deutsche Schulen setzen vergleichsweise selten digitale Medien im Unterricht der Landessprache ein, an Gymnasien noch weniger als an anderen Schulformen.

7. Wie in allen PISA-Staaten sind in Deutschland die Mädchen im Lesen kompetenter als die Jungen. Der Unterschied ist aber kleiner als im OECD-Schnitt (26 / 30 Punkte) und hat sich im Vergleich zu 2009 (40 Punkte Differenz) deutlich verringert. Der Anteil der lesestarken Jungen hat sich verdoppelt.

8. Auch in den Kompetenzen Mathematik und Naturwissenschaften liegt Deutschland über dem OECD-Durchschnitt, hat sich aber insgesamt verschlechtert.

Unterstützungsangebote der Akademie für Leseförderung

Die PISA-Studie 2018 hat ergeben, dass die Lesefähigkeit von Deutschlands Schülerinnen und Schüler zwar über dem OECD-Durchschnitt liegt, die Kluft zwischen lesestarken und leseschwachen sowie Schülerinnen und Schülern aus sozial privilegierten und weniger privilegierten Bereichen sich jedoch immer weiter vergrößert. Außerdem hat sich die Leistung der Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu den Vorjahren leicht verschlechtert.

Obwohl der Leseförderung in den vergangenen Jahren von politischer und medialer Seite Aufmerksamkeit geschenkt wurde, sind diese Anstrengungen noch nicht ausreichend.

Die Akademie für Leseförderung Niedersachsen setzt sich seit 16 Jahren für eine nachhaltige Verbesserung der Lesekompetenz ein. Durch zahlreiche Fortbildungsangebote, Veranstaltungen und die Erarbeitung und Bereitstellung von Praxismaterialien und Leseempfehlungen werden die verschiedenen Akteurinnen und Akteure in der Leseförderung unterstützt. Die große Nachfrage ist ein Beweis dafür, dass der Bedarf hoch ist.

Hier finden Sie alle Ergebnisse aus der PISA-Studie 2018

Ländernotiz von der OECD

Pressebereich OECD

PISA-Publikationen der Technischen Universität München

 

Daten der Grafiken entnommen aus: oecd.org und pisa.tum.de

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