Leseförderung auf Mazedonisch: Ein Erfahrungsbericht

Die Akademie für Leseförderung Niedersachsen reist nach Skopje

Auf Einladung des Goethe-Instituts fand in der Nationalbibliothek Mazedoniens am 27. und 28. Oktober 2014 ein Workshop zum Thema „Stufen der kindlichen Leseentwicklung und Projekte der frühen Leseerziehung in Kooperation mit Bibliothek, Kita und Grundschule“ statt. Anlass waren gleich zwei Jubiläen – 70 Jahre National- und Universitätsbibliothek und 20 Jahre Deutscher Lesesaal in Skopje.

Was genau in Skopje auf uns zwei Referentinnen (Karola Penz und Viktoria Bothe) zukommen würde, war eine spannende Frage. Würde durch die Übersetzungen alles verständlich erklärt? Waren die Teilnehmerinnen des Workshops es überhaupt gewohnt, aktiv in einem Workshop mit eingebunden zu werden? Ute Petkakis, Leiterin der Bibliothek im Goethe-Institut Thessaloniki, betreut den Deutschen Lesesaal in Skopje und organisierte unsere Unterbringung, die Fahrt nach Skopje und sorgte gemeinsam mit der Leiterin des Deutschen Lesesaals, Marianna Palasevska, für die Übersetzungen der Vorträge und Materialien sowie die Einladung der Teilnehmerinnen und die Koordination vor Ort. Eingeladen waren Lehrerinnen für Deutschdidaktik, Erzieherinnen und Bibliothekarinnen aus Skopje und Umgebung. Dr. Ivan K. Zarov, Direktor der National- und Universitätsbibliothek Skopje hieß uns in den Räumen der Bibliothek herzlich willkommen.

Unter anderem stellten wir das Projekt „Lesestart- Drei Meilensteine für das Lesen“ vor und präsentierten weitere Projekte der Leseförderung aus Niedersachsen. Durch viele praktische Übungen lernten die Teilnehmerinnen neue Methoden kennen wie beispielsweise  das Dialogische Vorlesen oder Leseempfehlungen innerhalb der Peergroup.

Neu waren für die Teilnehmerinnen der Gedanke der Vernetzung untereinander und die Nutzung der verschiedenen Medien wie beispielsweise Bilderbuchkinos,  Apps und Audiomaterialien. Auch die bei uns selbstverständliche Möglichkeit, Ehrenamtliche in der Leseförderung einzusetzen, die Eltern von Beginn an über die Bedeutung des regelmäßigen Vorlesens zu informieren sowie diese aktiv mit einzubinden, waren neue Anregungen. Die Teilnehmerinnen wollen sich zukünftig stärker vernetzen, viele der neu erlernten Ideen und Methoden in ihren Einrichtungen ausprobieren oder als zukünftig festen Bestandteil ihrer Arbeit implementieren.

Wir Referentinnen waren sehr von der engagierten Arbeit und der herzlichen Art der Kursteilnehmerinnen berührt und konnten auch eine Menge für unsere eigene  mitnehmen. So entstand ein reger Austausch, wobei zwei exzellente Übersetzer für die Verständigung sorgten. „Wir haben nicht viel, aber wir tun für die Kinder alles, was wir können!“ oder „In diesem Workshop herrschte eine angenehme Atmosphäre und es sind Freundschaften entstanden!“ waren nur zwei Äußerungen in einer abschließenden Gesprächsrunde.

Im Anschluss an den Workshop waren wir zum Festakt anlässlich der zwei Jubiläen eingeladen. In den Grußworten wurden besonders die Freundschaft und die lange Tradition der Kooperation und des Dialogs zwischen Deutschland und Mazedonien betont. Gewünscht wird von allen Beteiligten weiterhin eine gute Zusammenarbeit von Goethe-Institut, Deutschem Lesesaal, der Nationalbibliothek und der Deutschen Botschaft. Deutsch als Fremdsprache gewinnt immer mehr an Bedeutung, so haben 350 Lehrerinnen und Lehrer, 300 Schülerinnen und Schüler sowie 2700 Studierende die Deutschprüfung abgelegt. Das Erlernen von Deutsch als erster Fremdsprache bereits ab Klasse 1 wird zurzeit in einigen Projektschulen erprobt.

Der Deutsche Lesesaal in Skopje ist einer von insgesamt 57 und befindet sich in den Räumen der National- und Universitätsbibliothek, die ihrerseits auch die Bibliothekskraft stellt. Auf Initiative des Auswärtigen Amtes richtete 1994 das Goethe-Institut den Deutschen Lesesaal ein, um der mazedonischen Bevölkerung einen Zugang zur deutschen Sprache und Kultur zu ermöglichen. Deshalb steht der Lesesaal in enger Kooperation mit dem Verbindungsbüro Skopje des Goethe-Instituts. Besonders kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen, Vorträge und Ausstellungen finden im Lesesaal statt. Rund 6000 Medieneinheiten stehen den Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung. Der Lesesaal ist täglich geöffnet. Aktuelle Zeitungen und Zeitschriften, Sprachbücher, Romane und Audio- und Videoeinheiten umfasst der Bestand. Uns Referentinnen fiel ein umfassender Bestand aktueller Kinder und Jugendbücher sowie Sachliteratur positiv auf. So konnten einige Bücher für den Workshop verwendet werden.

Wie in allen Ländern, in denen das Goethe-Institut einen Standort unterhält, sind Deutschkurse und kulturelle Veranstaltungen in deutscher Sprache die wichtigsten Angebote.

Durch viele Gespräche mit Mazedoniern, mit der Botschafterin, mit Thomas Diekhaus (Institutsleiter des Verbindungsbüros Skopje des Goethe-Instituts) und mit Mariana Palasevska erhielten wir einen Einblick in die Lebensweise der Menschen und die politische Situation im Land. Das Land hat durch seine Binnenlage, die recht karge Landschaft und innen- sowie außenpolitische Konflikte schwierige Voraussetzungen. Dies führt momentan zu einer Identifikationssuche und  einer deutlich sichtbaren Behauptung als eigenständige Nation.

Es war für Frau Penz und mich eine interessante Reise, und wir haben viele Eindrücke und Erlebnisse mitgenommen, die unvergesslich bleiben werden. Besonders werden uns aber die herzlichen und freundlichen Menschen in Erinnerung bleiben.

Viktoria Bothe, Akademie für Leseförderung Niedersachsen

(Fotos: Akademie für Leseförderung Niedersachsen)

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