„Kinder sollen lesen, was sie toll finden“

Interview mit David Safier
 

Foto: Roman RaackeMit seinem Roman „28 Tage lang“ (Rowohlt 2014) gewinnt der Bremer Autor David Safier in diesem Jahr den Jugendbuchpreis Buxtehuder Bulle 2014. Sein Roman erzählt die Geschichte der 16-jährigen Mira, die im Aufstand im Warschauer Ghetto ihre Familie verliert und 28 Tage lang mit anderen polnischen Juden um das Überleben kämpft.
In einem Interview mit der Akademie für Leseförderung Niedersachsen verrät der Autor, was ihn am Schreiben begeistert und warum er sich mit einem Roman, der im Zweiten Weltkrieg angesiedelt ist, auch insbesondere an Jugendliche richtet.

Herr Safier, wann haben Sie angefangen Bücher zu schreiben?
2006 habe ich begonnen Bücher zu schreiben. Davor war ich Drehbuchautor. Davor Journalist. Und davor Kind und Teenager, der sich viele Geschichten ausgedacht hat. Also, auf die eine oder andere Art habe ich immer geschrieben.

Welche Bücher haben Sie als Kind bzw. Jugendlicher gerne gelesen?
Comics aller Arten. Disney, Marvel, DC, Asterix, Mad, Tim und Struppi. Außerdem Bücher wie „Per Anhalter durch die Galaxis“, das mich inspiriert hat, Autor zu werden, und mein ewiges Lieblingsbuch „Waterhip Down.“

Warum haben Sie sich in Ihrem Roman mit dem Holocaust und speziell dem Warschauer Ghetto auseinandergesetzt?
Zum einen gibt es da meine Familiengeschichte. Mein Vater war Jude und wurde im Holocaust verfolgt. Seine Eltern wurden umgebracht. Von daher lag es nahe, dass ich irgendwann einmal das Thema bearbeite. Zum anderen sieht man im Warschauer Ghetto das Schlimmste, wozu Menschen fähig sind. Ich glaube, man kann hier sehr viel über die Menschheit lernen, was auch heute noch Gültigkeit hat.

Haben Sie sich deshalb auch ausdrücklich an Jugendliche gerichtet?
Dieses Buch richtet sich nicht ausdrücklich an Jugendliche, sondern an alle. Ich wollte aber auch, dass Jugendliche das Buch lesen. Das war mir sehr, sehr wichtig. Denn ich merke, wie sehr sich Jugendliche für dieses Thema interessieren. Aber es wird ihnen in der Schule nicht leicht gemacht. Sie lernen sehr viel Geschichtliches, wann wer wo welches Gesetz in Auftrag gegeben hat, wie wer an die Macht gekommen ist, wie die Umstände waren – aber Geschichte wird ihnen nicht emotional erfahrbar gemacht. Ich glaube, dass ist der Grund für den Erfolg meines Buches. Die Jugendlichen können spüren und mitempfinden, wie es damals war. Wie es den Menschen ergangen ist!

Haben Sie einen Tipp für Lehrkräfte, Bibliothekarinnen und Bibliothekare bzw. Eltern, wie sie Kinder und Jugendliche für Literatur begeistern können?
Nicht unterscheiden in ‚gute‘ und ‚schlechte‘ Literatur. Die Kinder sollen lesen, was sie toll finden, wohin sie sich hingezogen fühlen. Das sollten Eltern nicht kuratieren. Hätten meine Eltern mir Comics verboten – diese waren in den 70er Jahren noch ein Medium, das als Schund angesehen wurde –, wäre ich nie Autor geworden. Aber dank ihrer Hilfe hatte ich schon lesen gelernt, bevor ich eigeschult wurde.

Im Herbst diesen Jahres wird David Safier der Buxtehuder Bulle im Rahmen einer öffentlichen Feier übergeben. Weitere Informationen finden Sie hier.

 

Foto links: Stadt Buxtehude, Daniela Ponath; Foto rechts: Roman Raacke

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