Im Gespräch mit Finn-Ole Heinrich

Finn-Ole Heinrich ist deutscher Autor und Filmemacher. 2005 erschien sein Erzählband „die taschen voll wasser“ im Hamburger marisch Verlag. 2009 folgte der erste Roman mit dem Titel „Räuberhände“. Mit seinem ersten Kinderbuch „Frerk, du Zwerg!“ gewann der Autor 2012 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch. Neben zehn weiteren Büchern hat er Hörbücher sowie Theaterstücke produziert und gewann mehrere Auszeichnungen. Am 6. November 2019 liest er bei der Herbstakademie 2019.

Sie haben Filmregie in Hannover studiert, sind als Drehbuchautor und Filmemacher aktiv und schreiben Kinder- und Jugendbücher. Was haben diese beiden Welten gemeinsam und was ist das jeweils Besondere für Sie?

Sorry, ich will jetzt nicht kleinlich sein, aber wenn wir schon die Schubladen aufmachen, dann mache ich gleich alle auf: Ich schreibe nicht nur Kinder- und Jugendbücher, das muss man immer dazu sagen, weil man sonst nur noch Kinder- und Jugendbuchautor ist und als solcher wird man in Deutschland noch immer nicht ganz ernst genommen. Ich habe drei Bücher für Erwachsene geschrieben und bemühe mich bei jedem sogenannten Kinderbuch, die strengen Grenzen dieser Kategorisierung in Frage zu stellen.
Aber zu Ihrer Frage: Filme, Bücher und auch Theaterstücke sind Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen, Welten und Welt zu erkunden, Fragen zu stellen, Gedanken zu sortieren. Und jedes dieser drei Medien hat seine eigenen Anforderungen. Bücher erlauben viel mehr Innensicht, Gedankengänge, lyrische Sequenzen, ganz andere dramatische Bögen und so weiter. Filme brauchen in der Regel mehr Konflikte als Handlungsmotor, Gedanken und Gefühle müssen sichtbar gemacht werden, ein Film lebt natürlich nicht zuletzt von seinen Bildern. Und beim Theater ist die große Herausforderung, das alles quasi an einem Ort stattfinden zu lassen. Das ist jetzt natürlich stark vereinfacht und immer kann man alle Regeln brechen, aber so ungefähr...

Woher nehmen Sie die Inspirationen für Ihre Geschichten?

Na, erstmal aus dem Kopf. Und der ist meistens mit mir in der Welt unterwegs. Da habe ich es seit ein paar Jahren vor allem mit meiner Frau (mit der ich ja auch sehr eng zusammenarbeite) zu tun. Und neuerdings auch mit unserem Kind. Ich spreche mit Freunden, Nachbarn, Familie. Dann lese ich, höre Radio, Musik, zufällige Gespräche, beobachte Menschen, Szenen, sehe Filme und Serien, denke nach. All das, was man als Mensch ebenso macht. Ich glaube, ich mache da wirklich nichts Besonderes. Ich hab mir nur irgendwann überlegt, dass ich Geschichten schreiben will, möglichst als Beruf. Da ich das seit inzwischen über fünfzehn Jahren mache, ist mein Gehirn darauf trainiert, ständig alle Sachen, die mir begegnen miteinander in Verbindung zu bringen und daraus Ideen für neue Geschichten oder Lösungen für Probleme in Geschichten, an denen ich gerade arbeite, zu produzieren.

Die Protagonisten in Ihren Werken werden oft mit schwerwiegenden Problemen konfrontiert und müssen sich damit auseinandersetzen. Welche Rolle können Bücher bzw. Geschichten bei der Bewältigung von Problemen und Lösung von Konflikten spielen?

Ich glaube, das lässt sich pauschal schwer beantworten. Das hängt immer davon ab, in welcher Verfassung man als Leserin oder Leser gerade ist, wer man ist, wie man tickt, wann man was wo liest.
Ich finde das wirklich Zauberhafte an einem Buch kann sein, dass man über einen ungewöhnlich langen Zeitraum auf so enge Weise mit den Gedanken, möglicherweise sehr intimen, eines anderen Menschen verbunden sein kann, wie ich es sonst kaum kenne. Nicht in der tiefsten Freundschaft oder Beziehung. So lange, so tief, so (eventuell) aufrichtig kann man sich sonst gar nicht austauschen, wie man einem anderen Denken in einem Roman folgen kann. Das kann sehr berühren.

Fotos: Denise Henning

Die Fragen stellte Anne Minnerup.

Impressum | Datenschutz | rechtliche Hinweise | Sitemap | Archiv