Im Gespräch mit Dr. Sabine Schormann und Angelika Brauns

Die Büchereizentrale Niedersachsen und die VGH Stiftung organisieren den JULIUS-CLUB, ein Ferienangebot für Jugendliche zwischen elf und vierzehn Jahren. Lesen und gemeinsame Aktionen stehen beim JULIUS-Club im Vordergrund. Dafür wählt eine Jury jedes Jahr 100 Bücher aus, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Bibliotheken zur Verfügung stehen. Im letzten Jahr haben 52 Bibliotheken am JULIUS-Club teilgenommen. Wir haben mit Frau Brauns, der Geschäftsführerin der Büchereizentrale, und Frau Dr. Schormann, der Direktorin der VGH-Stiftung, über den JULIUS-CLUB gesprochen, denn am 15. Juni 2018 startet der JULIUS-CLUB in die nächste Runde!

Welche Aufgaben übernimmt die Büchereizentrale Niedersachsen beim JULIUS-CLUB?

Angelika Brauns: Die Büchereizentrale Niedersachsen führt das Projekt seit 2007 gemeinsam mit der VGH-Stiftung durch und übernimmt dabei vor allem Koordinationsaufgaben hin zu den teilnehmenden Bibliotheken. Über uns laufen die Anmeldungen, wir leiten Informationen weiter, betreuen die Mailingliste, pflegen das WiKi, beraten die Bibliotheken, koordinieren die Bestellung der Werbematerialien und noch vieles mehr.

Wofür ist die VGH Stiftung beim JULIUS-CLUB zuständig?

Dr. Sabine Schormann: Organisation, Koordination und Kommunikation des JULIUS-CLUBs liegen in den Händen der Büchereizentrale Niedersachsen und der VGH-Stiftung gleichermaßen. Direkte gemeinsame Abstimmungsprozesse unserer beiden Institutionen mit den beteiligten 50 niedersächsischen Bibliotheken sichern den Erfolg des Projekts auf allen Ebenen. Die VGH-Stiftung übernimmt in der konkreten Durchführung als Veranstalterin des JULIUS-CLUBs zahlreiche Aufgaben; erwähnen möchte ich an dieser Stelle nur die wichtigsten: die Herstellung der Werbemittel sowie Geschenke für das Leseförderprojekt, die Erstellung und Pflege der JULIUS-CLUB Website, die Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen mit der Akademie für Leseförderung Niedersachsen, die Konzeption der Auftakt- und Abschlussveranstaltung sowie die Durchführung von innovativen Workshops während des JULIUS-CLUBs als Angebot für die Bibliotheken und nicht zuletzt natürlich die Bereitstellung der finanziellen Mittel für die Beschaffung der neuen Buchtitel im Kinder- und Jugendbereich. Darüber hinaus unterstützen uns die VGH Regionaldirektionen und die historischen Landschaften als unsere örtlichen Repräsentanten bei der Betreuung der Bibliotheken und der Angebote vor Ort als unerlässliches Bindeglied für unsere Arbeit in der Region.

Frau Brauns, Sie organisieren in diesem Sommer Ihren ersten JULIUS-CLUB als Geschäftsführerin der Büchereizentrale Niedersachsen. Was ist Ihnen am JULIUS-CLUB besonders wichtig?

Angelika Brauns: Ich kenne den JULIUS-CLUB schon seit vielen Jahren. Er gehört in Niedersachsen für Öffentliche Bibliotheken einfach dazu. Besonders wichtig ist mir die sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen der VGH-Stiftung, der Büchereizentrale Niedersachsen und natürlich den teilnehmenden Bibliotheken. Das ist wirklich ein tolles Erfolgskonzept, von dem alle profitieren. Natürlich vor allem die Jugendlichen, die mit viel Begeisterung dabei sind und tolle Bücher kennen lernen.

Letztes Jahr war Julius bouldern, dieses Jahr ist er mit einem BMX-Rad unterwegs. Welche Bedeutung haben die begleitenden Aktionen und Sportangebote?

Dr. Sabine Schormann: In der Lese- und in der Schreibförderung werden in der Vermittlung in den letzten Jahren neue Wege beschritten und so verhält es sich auch mit unserem Lese- und Schreibförderprojekt. Durch die über 500 Aktionen, die die Bibliotheken vor Ort veranstalten, erreichen wir Kinder und Jugendliche aus allen Bildungsschichten und ermöglichen auch eher leseschwachen Jugendlichen, am JULIUS-CLUB teilzunehmen. Dadurch werden zahlreiche neue Leserinnen und Leser für die Bibliothek und für das Lesen gewonnen. Die Teilnahme an der Aktion bedeutet oft den ersten Schritt in die Bibliothek. Laut einer repräsentativen Umfrage zu den Beweggründen der Kinder und Jugendlichen am JULIUS-CLUB teilzunehmen, wurden an zweiter Stelle die gemeinsamen Aktivitäten mit den anderen Teilnehmern genannt. Durch die Aktionen erhält das Projekt einen Clubcharakter, die Gemeinschaft wird gestärkt. Die Vermittlung der Literatur mit Spaß und Freude ist oberstes Ziel des Clubs. An erster Stelle für die Teilnahme am JULIUS-CLUB steht der Zugang zu neuen Büchern.

Wie könnte der JULIUS-CLUB in zehn Jahren aussehen?

Angelika Brauns: 2018 findet der JULIUS-CLUB bereits zum zwölften Mal statt, aber er hat sich jedes Jahr weiter entwickelt und ist dadurch immer zeitgemäß und für Jugendliche attraktiv geblieben. Das wird auch in 10 Jahren noch so sein. Da mache ich mir gar keine Gedanken. Für die Bibliotheken ist der JULIUS-CLUB zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Er gehört zu unseren erfolgreichsten Vorzeigeprojekten und das wird auch so bleiben.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Bibliotheken, die am JULIUS-CLUB teilgenommen haben?

Angelika Brauns: Für die teilnehmenden Bibliotheken ist der JULIUS-CLUB ein wunderbarer Türöffner, um Jugendliche als neue Leserinnen und Leser zu gewinnen, die vorher die Bibliothek noch nicht genutzt haben. Auch der Kontakt zu den Schulen wird durch den JULIUS-CLUB für die Bibliotheken intensiviert. Die Bibliothek kann mit professionellen und ansprechenden Materialen für den JULIUS-CLUB, aber auch für sich selber werben. Die Veranstaltungen rund um den JULIUS-CLUB sind für die Bibliotheken ein Highlight. Die Bibliotheken melden uns zurück, dass sich die Arbeit für den JULIUS-CLUB für sie auf jeden Fall bezahlt macht und die Wirkung nachhaltig ist. Sie haben jede Menge Spaß dabei.

Welches Buch hat Ihnen beim JULIUS-CLUB besonders gut gefallen?

Dr. Sabine Schormann: Die JULIUS-CLUB Bücher werden von einer Jury ausgewählt, die sowohl aus Fachleuten als auch aus Kindern und Jugendlichen im Alter von 11 bis 14 Jahren besteht. Diese Jury achtet auf ein ausgewogenes Verhältnis der ausgewählten Bücher für eine breite Leserschaft. Dieses ausgeklügelte System der Buchverteilung beinhaltet viele Sparten, die bedient werden möchten: Abenteuerroman, Tiergeschichte, Love-Story, Fantasy, Krimi, Historisches und vieles mehr. Gleichzeitig hat die Jury die Vielleser und auch die eher Leseschwachen im Blick und natürlich die unterschiedlichen Altersgruppen und die Angebote für Mädchen und Jungen. Aufgrund dieser Auffächerung des Literaturangebots von aktuellen Kinder- und Jugendbüchern werden viele der 100 ausgewählten JULIUS-CLUB Bücher sehr gerne von unterschiedlichen Gruppierungen gelesen.
Einer meiner Lieblingstitel innerhalb des JULIUS-CLUBs ist „Percy Jackson“ mit seiner gleichnamigen Reihe von Rick Riordan, der auch verfilmt worden ist. Dieses Buch habe ich mehrfach verschenkt und es ist bei den Jugendlichen immer gut angekommen. Die Folge war oft ein „Lesekick“ – also genau das, was wir wollen.

Was ist Ihrer Meinung nach das Erfolgsrezept des JULIUS-CLUBs?

Dr. Sabine Schormann: Für uns als VGH-Stiftung ist das Erfolgsrezept die vernetzte Förderung auf allen Ebenen mit vielen Kooperationspartnern. An erster Stelle steht die Kooperation mit der Büchereizentrale Niedersachsen und den beteiligten Bibliotheken, die mit ihrer Kompetenz vor Ort die Lese- und Schreibförderung mit aktuellen Kinder- und Jugendbüchern voranbringen. An dieser Schnittstelle können wir die institutionelle Förderung der Bibliothek mit der Projektförderung der Veranstaltungen vor Ort miteinander verbinden und weiterentwickeln.
Das Niedersächsische Kultusministerium ermöglicht es mit seiner Empfehlung für den JULIUS-CLUB, den Kontakt zu den Schulen zu intensivieren. Die Weiterbildungsangebote der Akademie für Leseförderung Niedersachsen stellen einen weiteren Baustein in der professionellen Fortbildung von Vermittlern – Lehrern, Auszubildenden in den Bibliotheken und Jugendlichen – dar. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur unterstützt uns in der Kommunikation und die VGH-Regionaldirektionen betreuen unsere Projekte vor Ort.
In den letzten zwölf Jahren haben insgesamt weit über 60.000 Kinder und Jugendliche im JULIUS-CLUB gelesen und geschrieben. Das ist eine beeindruckende Zahl, hinter der viele begeisterte junge Gesichter und Geschichten stehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Sabine Hürthe.

Bilder: JULIUS-CLUB

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