„Habe den Muth dich deiner Bibliothek zu bedienen“

„Die Signatur ist die Adresse des Buches“. Doch wie findet man ein Buch im Katalog und welche Recherchemöglichkeiten gibt es außerdem? In der Fortbildung „Habe den Muth dich [deiner Bibliothek] zu bedienen“, die in Kooperation zwischen der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) und der Akademie für Leseförderung Niedersachen stattfand, wurden die Nutzungsmöglichkeiten der Bibliothek als außerschulischer Lernort am Beispiel der Aufklärung vorgestellt.

Die Bibliothek als außerschulischer Lernraum

Die Bibliothek ist lange nicht mehr nur Ort der Ausleihe und Archivierung von Medien: Studenten, Wissenschaftlern, aber auch Schülerinnen und Schülern dient sie als Lernort und beeinflusst die Methoden-, Medien- und Informationskompetenz maßgeblich. Kirsten Ackemann-Pielsticker von der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek bietet Bibliotheksführungen für Schulgruppen an und wünscht sich schon lange, das Angebot auf Fortbildungen für Lehrkräfte auszuweiten. Mit Katja Bauer, Akademie für Leseförderung, und Christine Steudtner, Gymnasium Bad Nenndorf, hat Ackemann-Pielsticker zwei engagierte Lehrerinnen gewonnen, die sie in ihrem Vorhaben unterstützten. Neben Seminaren zur Literatur und Sprache um 1800 und 1900, wird das Angebot der GWLB für die Schülerseminare aktuell durch das Themengebiet der Aufklärung erweitert. Ackemann-Pielsticker, Bauer und Steudtner, die die Schülerseminare an der GWLB durchführt, haben zu diesem Anlass gemeinsam eine Fortbildung geplant, bei der Teilnehmende nicht nur Praxisideen für den Unterricht erhielten, sondern auch ihre eigene Informationskompetenz mit praktischen Aufgaben rund um das Thema Aufklärung auffrischten.

Recherche- und  Informationskompetenzen schulen
 

Dass dies bei einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern notwendig war, zeigte sich bereits bei der ersten Aufgabe: „Ich weiß gar nicht, wie ich damals Hausarbeiten geschrieben habe. Ich habe alles vergessen“, gab ein Teilnehmer zu, als Bibliotheksbegriffe in die Kategorien „Wo suche ich“, „Wie suche ich“ und „Wo finde ich“ eingeordnet werden sollten. „Für uns und für die Schülerinnen und Schüler geht es in der Bibliothek immer um Orientierung. Das ist nicht immer einfach, aber es gibt viele Hilfsmittel“, so Steudtner. Hilfsmittel, die die Recherche in der Bibliothek in den vergangenen Jahren um einiges einfacher gemacht haben: Ackemann-Pielsticker erinnerte an die Zeit der gedruckten Kataloge und Karteisysteme, bevor sie die nützlichen Recherchehilfen wie das EZB oder GVK erläuterte.

Exkurs in die Schatzkammer der Bibliothek

Werner Ganske, aus der Handschriftenabteilung der GWLB, präsentierte anschließend ausgewählte Schätze der Bibliothek aus der Zeit der Aufklärung: Erstausgaben von Lessings „Emilia Gallotti“ und Kants „Kritik der praktischen Vernunft“ sowie ein Kalender von 1792 mit Kupferstichen von Daniel Chodowiecki ließen die Teilnehmenden in ehrfürchtiger Stille verstummen. Auch das Stammbuch von August Wilhelm Iffland weckte die Neugier der Anwesenden: Berühmte Persönlichkeiten wie Schiller, Goethe, Hayden und Wieland haben dem Schauspieler ihre Grüße hinterlassen. Zum Staunen brachte die Teilnehmenden vor allem die „Schillerlocke“: In einem Brief Schillers an seinen Verleger legte der Dichter eine Locke seines Haares bei, um seine Dankbarkeit auszudrücken.

Ein besonderes Highlight, nicht nur für die Teilnehmenden. Auch Steudtner gibt zu: „Mein Herz schlägt immer höher, wenn ich einen Blick auf Originale erhasche“. Besonders überrascht waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass einige der präsentierten Raritäten auch unter Aufsicht im Forschungssaal der Bibliothek eingesehen werden können. Dass es unter anderem deswegen von Bedeutung ist, Handschriftenkataloge lesen zu können, legte Ganske den Teilnehmenden abschließend nahe: „Die Digitalisierung dauert mit Sicherheit noch über 100 Jahre. Wir haben 1920 mit der Erschließung von Leibniz‘ Nachlass begonnen und sind noch lange nicht fertig.“

Praktische Beispiele - Rechercheaufgaben zum Thema Aufklärung
 

Nach einem Bibliotheksrundgang recherchierten die Teilnehmenden intensiv zum Thema Aufklärung: Kniffelige Aufgaben wie „Erläutern Sie, was mit dem Fragmentstreit gemeint ist“ oder „Vergleichen Sie die damalige Situation mit der aktuellen Situation der Fake-News“ wurden gelöst und präsentiert. Mit neuen Erkenntnissen und wieder erinnerten oder neugewonnen Recherchefähigkeiten können die Teilnehmenden nun ihr Wissen mit ihren Schülerinnen und Schülern teilen.

© Fotos: Jutta Wollenberg

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