Die Liebe zum Schreiben entdecken

Zu Besuch in einer Schreibwerkstatt

13 Schülerinnen und Schüler einer Sozialassistentinnen- und Sozialassistentenklasse der Alice-Salomon-Schule in Hannover wissen nicht, was sie die nächsten zwei Nachmittage erwartet. Zu Gast ist die Kinder- und Jugendbuchautorin Aygen-Sibel Çelik. Im Rahmen einer Schreibwerkstatt vom Friedrich-Bödecker-Kreis und der VGH-Stiftung wird sie den Schülerinnen und Schülern am 14. und 15. Januar 2019 kreatives Schreiben näher bringen.

In der Feedbackrunde am Ende der zwei Tage beschreibt eine Schülerin noch einmal ihre Gedanken im Vorfeld der Schreibwerkstatt: „Wir wussten nicht, was uns erwartet.“ Diese Stimmung lässt sich zu Beginn des ersten Nachmittags spüren. Einige Schülerinnen und Schüler, die bereits selbst schreiben, freuen sich auf viele Tipps. Andere wiederum, die bisher kaum Berührungspunkte mit dem Thema hatten, sind in skeptischer Erwartung, was passieren wird. Eines lässt sich vorweg nehmen: Nach den zwei Tagen hat jede Schülerin und jeder Schüler der Klasse mindestens einen Grundstein für einen wunderschönen und ganz persönlichen Text verfasst, der das Potenzial hat, weitergeführt zu werden.

Individualität im Vordergrund

Den Einstieg findet die Autorin schnell mit der Frage: „Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Schreiben bisher gemacht?“ Jede Schülerin und jeder Schüler soll darauf antworten. Die Berücksichtigung des Einzelnen steht in den zwei Tagen im Vordergrund. So teilen alle zunächst im Anschluss an eine Aufgabe ihre persönlichen Eindrücke vom Schreibprozess mit. Anschließend lesen die Teilnehmenden ihre erarbeiteten Texte vor und erhalten individuelles Feedback. Einige Schülerinnen und Schüler schreiben in ihrer Muttersprache, weil sie so ihren Gedanken besser Ausdruck verleihen können. Die Texte werden dann zunächst in der Muttersprache vorgelesen, anschließend werden sie ins Deutsche übersetzt - dabei helfen sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig.  

Der innere Kritiker – Reflexion hilft

Vor dem Eintauchen in den Schreibprozess thematisiert Aygen-Sibel Çelik den inneren Kritiker oder - wie sie das nennt „die innere Meckertante“. Dabei handelt es sich um die innere Stimme, die uns in vielen Situationen ausbremst. Genauso verhält es sich beim Schreiben. Die Schülerinnen und Schüler geben der „inneren Meckertante“ einen Namen, der auf ein separates Papier geschrieben wird. Während des Schreibens sollen alle Gedanken, die die angehenden Sozialassistentinnen und -assistenten aufhalten, auf dieses Blatt geschrieben werden. Ziel dieser Übung ist es, den Schreibfluss nicht zu unterbrechen und die Ausbesserung vermeintlicher Fehler auf später zu verschieben. Das schmälert den Frust in kreativen Prozessen.

Verschiedene Inspirationen

Um die Teilnehmenden für das kreative Schreiben zu öffnen, nutzt die Autorin im Laufe der zwei Tage drei verschiedene Inspirationsquellen. Zu jeder Quelle wird ein Text verfasst. Als erstes wählt jede Schülerinnen und jeder Schüler ein Bild. Dieses kann einfach nur beschrieben werden oder ein direkter Einstieg in eine Geschichte sein. Die zweite Aufgabe ist es, anhand von Musik in den Schreibprozess zu finden. Zuletzt gibt Aygen-Sibel Çelik verschiedene Orte vor, von denen je einer ausgewählt werden soll. Mit dabei sind beispielsweise ein altes Klassenzimmer, ein nächtlicher Friedhof oder ein Zirkusplatz am Morgen. Der ausgewählte Ort wird dann im Detail beschrieben, sodass die Zuhörerinnen und Zuhörer sich dorthin versetzt fühlen. Alle Sinne sollen in die Beschreibung mit einfließen. Die Schülerinnen und Schüler lernen so die bestmögliche Inspirationsquelle für sich kennen.

Mehr als Spaß am Schreiben finden

Höhepunkt der Schreibwerkstatt ist die Präsentation der jeweils eigenen Texte vor der Parallelklasse. Bei dieser Aufgabe steht ebenfalls die Überwindung von persönlichen Hürden im Fokus. Während der zwei Tage erfahren die Schülerinnen und Schüler nicht nur, was es bedeutet, sich dem Schreiben zu nähern und ihre persönlichen Gedanken zu Papier zu bringen. Sie lernen sich selbst und einander besser kennen. Sie öffnen sich und reflektieren ihre eigenen Grenzen. Die Schreibwerkstatt mit der Autorin Aygen-Sibel Çelik schafft nicht nur ein positiveres Verhältnis zum Schreiben und zur Literatur, sondern die Teilnehmenden entwickeln sich weiter und lernen über sich hinauszuwachsen - Erfahrungen, auf die sie sicherlich in Zukunft zurückgreifen können.  

Hier gelangen Sie zu einem Interview mit der Autorin Aygen-Sibel Çelik.

Hier erfahren Sie mehr über die Autorin Aygen-Sibel Çelik.

Weitere Informationen zu den Schreibwerkstätten des Friedrich-Bödecker-Kreises und der VGH-Stiftung finden Sie hier.

Fotos: Akademie für Leseförderung Niedersachsen

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