Wissenschaftliche Vorträge

Dr. Michael Skeide vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften Leipzig berichtete in seinem Impulsvortrag über mögliche Auswirkungen neuer Medien auf das Leseverhalten und die Gehirnentwicklung. Obwohl die Hirnforschung auf diesem Gebiet noch keine lange Tradition hat, könne jetzt schon ein Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Gehirnaktivitäten ausgemacht werden. Unklar sei jedoch, ob dieser eine positive oder negative Auswirkung digitaler Medien impliziert. Bisherige Studien haben ambivalente Ergebnisse hervorgebracht, die Skeide in seiner Präsentation kurz skizzierte. Skeide konstatierte, dass die Hirnforschung zukünftig wichtige Impulse für die digitale Leseförderung geben könne und dass diese als interdisziplinäres Projekt begriffen werden müsse. 

 

Prof. Dr. Christian Dawidowski, Inhaber des Lehrstuhls für Literaturdidaktik an der Universität Osnabrück, entwarf Zukunftsperspektiven für den Deutschunterricht. Der digitale Wandel habe bereits in den letzten 15 Jahren deutliche Auswirkungen gezeigt und Medienkompetenz immer stärker ins Zentrum des Deutschunterrichts gerückt. Dies werde laut Dawidowski in Zukunft noch intensiviert und es gelte, Medienkompetenz nicht auf Kosten der basalen Lese- und Sprachkompetenz im Unterricht zu vermitteln. Aus den Studien seines Lehrstuhls geht hervor, dass das Buch aus Sicht von Schülerinnen und Schülern aber auch Lehrkräften in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu einem reinen Bildungs- und Wissensmedium geworden ist. Qualitäten wie Unterhaltung, Eskapismus und Persönlichkeitsbildung schreiben diese nunmehr verstärkt digitalen Medien zu. Weitere Studienergebnisse können Sie der Präsentation des Literaturdidaktikers entnehmen.      

 

Univ.-Prof.'in Dr. phil. Nadia Kutscher vom Lehrstuhl für Soziale Arbeit an der Universität Vechta gab einen ausführlichen Einblick in die Lebenswelt, die sich Kinder und Jugendliche in digitalen Medien erschaffen. In dieser könnten sich die jungen Menschen zwar autonom und unabhängig bewegen, unterwürfen sich aber – meist unbewusst – enormen Zwängen und Systemabhängigkeiten, wie z.B. mit einer ständigen Erreichbarkeit oder der unreflektierten Weitergabe von Daten. Diese Risiken würden von Politik, Öffentlichkeit und Bildungseinrichtungen bislang nicht hinreichend berücksichtigt, stellt Kutscher fest. Digitale Leseförderung könne hier ansetzen und Kindern und Jugendlichen helfen, einen bewussteren Umgang mit und in digitalen Medien zu pflegen, so der Impuls von Kutscher. Hinweise zu Studien und Sekundärliteratur finden Sie in der Präsentation zum Vortrag.

 

Dr. Simone C. Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen, gab in ihrem Vortrag einen Überblick über allgemeine Tendenzen im Bereich der Forschung zur digitalen Leseförderung. Sie wies darauf hin, dass  Fachleute in der Leseförderung digitale Medien häufig als Bedrohung empfänden. Diese Polemik müsse aus der Forschung weichen und ein sachlicher Diskurs über Chancen und Risiken digitaler Medien etabliert werden. Ehmig plädierte dafür, digitale Medien nicht als Konkurrenten zum traditionellen Lesen zu betrachten, sondern sich in der Leseförderung auf die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen, die eben auch eine digitale Welt beinhaltet, einzulassen. Zudem betonte Ehmig, dass die Erforschung digitaler Medien in der Leseförderung ganz am Anfang stehe und bisher noch keine eindeutigen Ergebnisse und Handlungsanweisungen für die Praxis abgeleitet werden könnten.

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