Text und Bild im Museum Wilhelm Busch

Im Gespräch mit Ruth Brunngraber-Malottke

 

Das Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, kurz Wilhelm Busch Museum, befindet sich mitten im malerischen Georgengarten in Hannover-Herrenhausen. In dem privaten Museum finden sich allerdings nicht nur Werke seines Namensgebers, sondern auch vieler weiterer Zeichner und Kinderbuchillustratoren. Die Wechsel- und Dauerausstellungen bieten zahlreiche Möglichkeiten für Kinder, Jugendliche und Familien, sich mit Bildern und Texten auseinanderzusetzen und einen kurzweiligen Tag im Museum zu verbringen. Ruth Brunngraber-Malottke, stellvertretende Direktorin, berichtet uns im Gespräch über das Angebot des Museums und die Bedeutung des Lesens.

Katharina Graef (ALF): Welche Rolle spielt das Lesen bei einem Besuch im Wilhelm Busch Museum?

Ruth Brunngraber-Malottke: Bei Busch spielt das Zusammenspiel von Text und Bild eine wichtige Rolle. Er beherrschte die Kunst, mit einem Minimum an Lineamenten ein Maximum von Ausdruck zu erzeugen. Entsprechend knapp und dabei inhaltlich vielschichtig ist seine Sprache – seine Verse sind wunderbar geschliffen. Kinder haben eine Lust an verrückten Wörtern und lautmalerischen Begriffen, von denen es bei Busch sehr viele gibt. Das ist ein wunderbarer Schlüssel zu Sprache, Texten und Büchern. In Zeiten, in denen Foto und Film immer mehr konsumiert werden, spielen im Museum Wilhelm Busch Lesen und Vorlesen eine wichtige Rolle.

Sind die Werke von Wilhelm Busch Kindern heute noch präsent?

Bis vor einigen Jahren war in fast jedem deutschsprachigen Kinderzimmer zumindest eine „Max und Moritz“-Ausgabe vorhanden. Auf Nachfrage bei den Besuchern beobachten wir, dass das rückläufig ist. Für mich persönlich, die ich mich schon sehr lange mit Busch befasse, ist es immer wieder eine große Freude zu sehen, mit welcher Begeisterung Kinder diese Verse hören. Egal, aus welchen Bildungsschichten sie kommen, sie merken sofort, dass das etwas Besonderes ist. Wenn wir etwas von Busch vorlesen, kommt dann oft: „Können wir das nochmal hören?!“ Und dann kann es passieren, dass manche Stellen drei- oder viermal gelesen werden. Es wird viel gelacht und alle stellen sich ganz genau vor, was gemeint ist.

Das heißt, dass Vorlesen und die Arbeit mit Texten in Ihrem Vermittlungsprogramm eine große Rolle spielen.

Wir bieten museumspädagogische Angebote für Jung und Alt an. Wenn wir in einem Workshop mit kleineren Kindern eine Bildergeschichte anschauen, gibt es dazu auch immer einen kreativen Teil. Bis 1875 gab es keinen fotomechanischen Druck, sondern es wurde auf Holzstöcken gedruckt. Dazu gibt es dann zum Beispiel einen Workshop mit einer kleinen Druckwerkstatt: Erst lesen wir gemeinsam die Geschichte ganz genau und dann werden im zweiten Teil einzelne Motive der Geschichte gedruckt.

Gibt es im Museum Räume, die sich gezielt an Familien richten?

Wir haben in unserer Dauerausstellung drei Kabinette eingerichtet, die speziell für Kinder und Familien sind. Ein Kabinett ist den Bildergeschichten gewidmet, die Busch für Kinder gemacht hat. „Max und Moritz“ sind auch dabei, obwohl diese ursprünglich gar nicht für Kinder gedacht waren. Zwei weitere Kabinette zeigen Werke von Volker Kriegel und F. K. Wächter, die unter anderem auch viele Kinderbücher illustriert haben. Es ist räumlich nicht möglich, alle Zeichnungen auszustellen. In unseren Workshops fordern wir Kinder und Jugendliche dazu auf diese Lücken mit eigenen Texten zu füllen. Das geht dann oft in eine ganz andere Richtung als diejenige, die der Künstler einmal vorgesehen hatte.

Haben Sie den Eindruck, dass Sie durch Ihr Programm auch Familien ins Museum locken, die sonst nicht so oft ins Museum gehen?

Absolut. Wir bieten auch Familienworkshops an, zu denen Kinder gemeinsam mit ihren Eltern, Großeltern oder Onkeln und Tanten kommen können. Das wird gerne angenommen. Wir haben das Glück, dass die Karikatur eine Form der Kunst ist, die sich auf den ersten Blick erschließen lässt – anders als bei Häusern mit klassischen Sammlungen. Jeder kann darüber lachen und weiß in der Regel sofort, worum es inhaltlich geht. Insofern ist die Karikatur ein gutes Medium, um Botschaften in eine breit gefächerte Gesellschaft zu tragen.

Bis zum 26. März 2017 ist die Comic-Ausstellung „Fix und Foxi“ im Museum zu sehen. Sind in nächster Zeit noch weitere Familienausstellungen geplant?

In der Vergangenheit haben wir bereits viele bekannte Kinderbuchillustratoren wie Axel Scheffler, Ingo Siegner und Sven Nordqvist ausgestellt. Dies werden wir auch weiterhin forcieren. So werden wir ab Herbst die Arbeiten des vielfach ausgezeichneten Illustrators Torben Kuhlmann zeigen, dessen Bilderbuch „Lindbergh – Die Abenteuer einer fliegenden Maus“ sehr erfolgreich ist. In unserer Ausstellung „Technische Paradiese“ ab dem 1. April 2017 wird es darum gehen, wie im 19. Jahrhundert technische Neuerungen in Karikaturen verarbeitet wurden. Hierzu wird es ein intensives Programm für Kinder und Jugendliche geben: Wir werden zum Beispiel Roboter bauen und Texte von Jules Verne lesen.

Weitere Informationen zum Museum Wilhelm Busch, seinen Ausstellungen und dem Vermittlungsprogramm finden Sie auf der Website des Museums: www.karikatur-museum.de

Fotos: Akademie für Leseförderung Niedersachsen

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