Im Gespräch mit Gordon Oppong-Agyare

Gordon Oppong-Agyare aus Ghana arbeitete im April 2017 als Praktikant bei der
Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover und besuchte auch die Akademie für Leseförderung. Wir haben mit ihm über seinen Neustart in Deutschland gesprochen, über Lesen und das Lernen einer neuen Sprache.

 

Herr Oppong-Agyare, könnten Sie sich uns kurz vorstellen: Wann Sie sind geboren, aus welchem Land kommen Sie, was für eine Ausbildung haben Sie gemacht?

Ich komme aus Ghana, bin am 12.09.1978 in Cape-Coast geboren und habe Volkswissenschaften an der „University of Cape-Coast“ studiert und mit Bachelor abgeschlossen.

 

Sie sind 2015 mit Ihrer Familie nach Deutschland gekommen. Was hat Ihnen Ihr Einleben in Deutschland erleichtert? Was haben Sie vermisst? Was war schwierig?

Die Gesundheits-, Sicherheits- und Transportsysteme sind zuverlässig und effizient. Andere soziale Einrichtungen wie das JobCenter und das Diakonische Werk sind sehr hilfreich und machen das Leben meiner Familie erträglich und ganz bequem. Ich vermisse meine interessante Arbeitstätigkeit. Obwohl ich studiert habe, musste ich in meinem ersten Jahr in Hannover als Reinigungskraft arbeiten und bin zurzeit arbeitslos, weil ich etwas in meinem Fach suche. Es sieht so aus, als ob es nicht viele Arbeitschancen für Flüchtlinge in Deutschland gibt. Deswegen ist die Suche nach einer professionellen Arbeit meine größte Schwierigkeit.

 

Sie haben hier in Deutschland begonnen die deutsche Sprache zu lernen. Welchen Kurs haben Sie besucht? Was hat Ihnen zusätzlich zu diesem Kurs geholfen, die deutsche Sprache zu lernen?

Ich habe schon A1–B1 „Deutsch als Fremdsprache“ bei der VHS gemacht und auch an der Maßnahme „Perspektiven für Geflüchtete“ bei der Oskar Kämmer Schule (OKS) teilgenommen. Zurzeit mache ich „Deutsch als Fremdsprache“ auf B2 Niveau. Immer wenn ich Zeit habe, nehme ich an verschiedenen Maßnahmen teil, um meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Bücher und CDs leihe ich aus der Bibliothek aus, ich nutze die Youtube-Videos und die Internetseite von „Learn German with Ania“/„Lern Deutsch mit Anja“, lese mit meinen Kindern Bücher und habe Kontakt mit sehr freundlichen Deutschen, die mir sehr helfen die deutsche Sprache zu lernen.

 

Sie machen aktuell ein sechswöchiges Praktikum in der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. Was hat Ihnen besonders in der Akademie für Leseförderung gefallen?

Alles! Die netten, ruhigen Mitarbeiter und die wichtigen Informationen zur Leseförderung für Kinder-und Flüchtlinge. Ich bin sehr dankbar.

 

Sie haben zwei Kinder. Welche Sprache ist Ihre Familiensprache? Erziehen Sie Ihre Kinder mehrsprachig? Was machen Sie in Ihrer Familie, damit Ihre Kinder die deutsche Sprache gut lernen? Was machen Sie, damit Ihre Kinder in Ihrer Familiensprache unterstützt werden?

Wir benutzen meistens Englisch zu Hause. Aber wenn wir lernen, verwenden wir normalerweise Deutsch. Wir lesen manchmal deutsche Bücher zusammen. Ja, ich erziehe meine Kinder dreisprachig: Deutsch, Englisch und Twi (neben Englisch Amtssprache in Ghana). Wir spielen pädagogische Spiele, sehen deutsche Fernsehprogramme, besuchen unsere deutschen Nachbarn usw.

Wir benutzen manchmal unsere Muttersprache, korrigieren Fehler, die die Kinder machen, wir besuchen Verwandte, die Twi sprechen, und verwenden es bei Kirchentreffen.

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem deutschen Bildungssystem gemacht (Kindergarten, Grundschule)?

Es ist sehr flexibel. Lehrer unterstützen beim Lernen. Das ist sehr hilfreich, um die Talente der Kinder zu identifizieren.

 

Worin bestehen die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem Bildungssystem in Ghana?

Sie sind sehr ähnlich, aber in Ghana fangen Kinder vor der 1. Klasse an zu lesen, zu schreiben und zu rechnen. Schulen machen selten Ausflüge und manche benutzen keinen Computer oder andere elektronische Geräte. Ein großer Unterschied ist das Lehrer-Kinder-Verhältnis. In Ghana können über 40 Kinder in einer Klasse sein. Manchmal ist nur ein Lehrer für diese Kinder zuständig. Das ist ungewöhnlich im Vergleich zu Deutschland.

 

Welche Rolle spielt das Thema Lese- und Sprachförderung in den Familien und im Bildungssystem in Ghana?

Lese- und Sprachförderung in den Familien und im Bildungssystem spielen eine sehr wichtige Rolle. Die Sprach- und Lesefähigkeit sind wichtige Voraussetzungen für das schulische und berufliche Lernen.

 

Was wünschen Sie sich für Ihre und die Zukunft Ihrer Kinder für das Leben in Deutschland?

Wir hoffen, dass wir hier etwas Sinnvolles finden. Wir möchten gerne akzeptiert werden und eine Arbeit finden.

 

Lieber Herr Oppong-Agyare, herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre Zukunft in Deutschland!

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