Bilderbücher zum Fühlen

Es gibt wenige Bilderbücher, deren Illustrationen auch haptisch erfahrbar sind. Für blinde Kinder und Kinder mit eingeschränktem Sehvermögen ist das ein großes Problem. Bilderbücher für sie sind aufwendig in der Produktion und im Vergleich zu herkömmlichen Büchern sehr teuer. Doch die Entwicklung von Sprach- und Lesefähigkeiten ist für blinde und sehbehinderte Kinder genauso wichtig wie für sehende. Vielleicht sind Bilderbücher für sie sogar noch wichtiger, denn anders als sehende Kinder werden sie im Alltag weniger mit Schrift konfrontiert, schließlich sehen sie kein Straßenschild und keinen Fahrplan.

Was macht taktile
Bilderbücher aus?

In taktilen Bilderbüchern werden unterschiedliche Materialien verarbeitet, um kuschelige, schwere oder kalte Objekte zu erschaffen, die den Inhalt der Geschichte transportieren. Viele Objekte sind Handarbeit. Hinzu kommt ein Text in Braille-Schrift, deren Buchstaben oft zusätzlich
in Kontrastfarben markiert sind. Alle zwei Jahre wird das am schönsten taktil illustrierte Bilderbuch mit dem Preis Typhlo & Tactus ausgezeichnet.

Hersteller und Bezugsquellen
Die Entwicklung taktiler Bilderbücher geht auf Philippe Claudet zurück, der seit 1993 in Frankreich Geschichten haptisch illustriert. Sein Verlag Les Doigts Qui Rêvent hat inzwischen mehr als 100 Bücher editiert und veröffentlicht. Die Bücher können mit blinden und sehbehinderten Kindern ebenso gelesen werden wie mit sehenden. Inzwischen beliefert Claudet acht Länder in Europa. Auch in Deutschland gibt es Initiativen, die Bilderbücher blinden und sehbehinderten Kindern zugänglich machen: Anderes Sehen e. V. lässt in den Werkstätten von Les Doigts Qui Rêvent taktile Bilderbücher auf Deutsch herstellen, die bei Kohlibri bestellt werden können. Auch Sei kein Hasenfuß e. V. organisiert Ausstellungen und Workshops, um für den Bedarf an taktilen Bilderbüchern zu sensibilisieren und die Freude am Ertasten zu vermitteln. Gemeinsam arbeiten sie daran, dass alle Kinder Zugang zu Bilderbüchern bekommen und sie mit allen Sinnen erfassen können.

Fotos: © Anderes Sehen e. V.

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